Montag, 30. September 2019

Montag. 30.09.19- Taifun

„Vom Winde verweht“ - wir wollen es nicht hoffen und werden darüber berichten!

Heute war erst einmal ausspannen angesagt. Dazu gehörte natürlich: ausschlafen und wir ließen es sogar drauf ankommen und hätten das Frühstück verpasst. Aber kurz vor halb zehn klingelte es (ja diese Türen hier im Hotel sind alle mit einer Klingel versehen, womit man schön nerven konnte- Klingelstreich!!!) bei uns. Zum Glück ist Benni Frühaufsteher und konnte schon aus den Augen gucken. Somit sah er das Toast, was uns von meinen Eltern durch den Türspalt kredenzt wurde. Das war sehr lieb, also nicht dass wir verhungert wären... aber die beiden hatten sich bei der Karaoke-Session gestern ziemlich schnell abgeseilt, deswegen waren sie schon so früh so gut drauf. Eigentlich war der erste offizielle Termin heute: Mittagessen! Das war in einem guten Restaurant geplant, allerdings war das Anreisen dahin gar nicht so einfach. Nicht nur aufgrund unserer Gruppengröße, sondern auch, weil ein Taifun angekündigt war. Deswegen verkehrten viele Buslinien gar nicht erst. Während Ting, Sara und Danny nach Alternativen schauten, bestaunten Kathi, Benni und Paul den Spiele-Shop hinter der Bushaltestelle. Das Ende vom Lied war, dass wir ein Taxi und Uber riefen und damit dann auch dreißig Minuten zu spät kamen. Aber die vom Restaurant waren echt wahnsinnig nett und gaben unsere Tische nicht weiter und das, obwohl es draußen sogar Sitzbänke in der Wartezone gab. Während man wartete konnte man sich in einen Massagesessel setzen oder die Fingernägel lackiert bekommen-kostenlos. Außerdem gab es eine Kinderbetreuung, die extra mit einem kindersicheren Ausgang versehen war, wodurch die Kinder wie durch eine Luke nach außen gehoben wurden. Als wir dran vorbeigingen wurde gerade ein laut heulendes Kind aus dem Kinderparadies herausgereicht an die überglücklichen Erziehungsberechtigten.



Wir hatten einen separaten Raum mit entsprechenden Kellnern, die die Töpfe mit den verschiedenen Hot Pot Varianten sowie das bestellte Drumherum brachten (Gemüse, Fleisch etc.). Soßen sowie Obst und kostenlose Getränke konnte man sich an den unterschiedlichen Buffets holen. 
Bei der Warteschlange und dem Kinderparadies gab es außerdem inklusives Eis. Zu den vielen Sachen (die Leute vom Restaurant hatten uns – weil wir „foreigner“ waren- noch ein sehr teures Rindfleisch dazu geschenkt, man stelle sich das mal in Deutschland vor- das würde ganz anders ablaufen!) kam dann noch ein Auftritt vom Pasta-Mann. Das war kein Nudelteig in Form eines Herren, sondern ein junger Typ, der Nudelteig in Form einer Showeinlage zu einer Art Linguine formte. 

Eigentlich war es mehr ein mit Hip-Hop unterlegter Jonglage-Tanz mit Nudelteig. Ich versuche gerade geschickt den Ausdruck „Nudel-Mann“ zu umschreiben, da man da eventuell auf falsche Gedanken kommen könnte. An jedem Tisch gab es eine Vorstellung und ich weiß nicht wie und ich weiß auch nicht warum (vielleicht hatte er zu laut getönt er könne das auch)- durfte Benni sich danach an einer Pasta-Show versuchen. Es gelang ihm doch ganz gut! Bis auf einmal die Decke streifen und einem gewagten dichtem Vorbeirauschen des Nudelteigs an Dannys Nase, hätte man ihn ruhig hier in dem Laden als Pasta-Show-Sidekick einstellen können. Nach dem Dessert kam noch eine Showeinlage des Maskenmannes. In der traditionellen Tracht mit den langen Fühlern sah er ein wenig aus wie ein großer Hummer, aber er machte seine Sache erstaunlich gut. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wechselte er (wie auch immer) seine Masken und führte die dazu entsprechende Rolle auf. 


Dabei bezog er- zur Freude des Publikums, aber nicht immer der Einbezogenen- Leute aus dem Publikum mit ein. Nach einer weiteren Portion Eis und Früchten war der nächste Haltepunkt: Die Mall! Da gab es hübsche Sachen: Hannes nächstes Outfit für einen wichtigen Anlass, erschwingliche Sitzsessel und -kissen, umweltschonende Produkte, Ohrringe, Figuren, Duftgedöns, Stoffgemüse, Bücher auf Chinesisch, Spielzeug, Ferngläser, Spieleautomaten, Klimaanlagen, Outdoorsachen und vieles Meer. 




Nach dieser Mall beschloss die Jugend noch ein wenig im Hotel zu verweilen (u.a. zu schreiben), während die Alten im Carrefour Hühnchen besorgten. Abends gab es dann mal wieder was zu essen, zum Glück hatten sie nicht soviel gekauft und wir ergänzten dies noch mit Eiern vom Frühstück und Obst. Damit schlossen wir den Tag recht entspannt. 
 
 

Sonntag, 29.09.19-Hochzeit

„Heute großer Wäschetausch“ – dieser Blog folgt bald.


Der Morgen der Hochzeit war gekommen. Für uns hieß das erst einmal nicht unbedingt, dass der Morgen anders verlief. Duschen, frühstücken. Wir trafen allerdings Philipp auf dem Flur, der bereits mit Hochzeitstracht auf dem Weg zur Dusche war. Ting verkündete beim Frühstück, dass sie sich einen Friseurtermin organisieren wollte. Aus Spaß meinte ich zu ihr, dass sie doch dann fragen soll, ob noch Platz für uns wäre. Eigentlich war das mehr ein Scherz, aber als sie auflegte meinte sie ernst: „Kein Problem!“ Also schnell los. Zum Glück hatten wir uns schon die Haare gewaschen, also hüpften wir mit Jeff schnell in ein Uber und los ging es. Jeff bekam allerdings einen anderen Friseur, da Ting meinte, dass bei uns bestimmt nicht mehr soviel Platz war, obwohl uns der Laden sehr groß erschien als wir hineingingen. Zum Glück hatten wir Ting dabei, die alles für uns aushandelte und das Wort „Hochzeit“ wegließ. So bekamen wir alle eine Friseuse (Mama und ich) oder einen Friseur (Ting und Kathi zugeteilt) und so entstanden aus einem Vorzeigefoto drei verschiedene Frisuren. Ting erhielt einen Waschgang mit Kopfmassage und dann wurden die Haare zurecht geföhnt. Am Ende fragten sie noch, ob sie mit uns allen ein Foto machen könnten, da sie nicht so oft „foreigner“ hatten. Also wurde von jedem noch ein Bild von der Frisur und ein Portraitfoto gemacht. Na Mensch, wer weiß wem das mal gezeigt wird. Auf der Rücktour sammelten wir Jeff ein, der den Vorschlag machte doch zu laufen. Das taten wir dann-mit den frischen Frisuren, was an sich nicht die beste Idee war, denn es war stickig warm und wir mussten ja alle nochmal deswegen duschen. Dann noch ins Kleid, der letzte Schliff und dann trafen wir uns schon alle in der Lobby.

Philipp war verständlicherweise sehr nervös. Als dann die Autos (sechs Stück!!!) ankamen, wurde jedem ein Auto zugeteilt, in dem wir dann in einem großen Bogen zu Saras Haus fuhren.
Da Benni viele rote Umschläge hatte, fiel ihm doch zunächst einer unbemerkt auf den Boden vor das Auto. Zum Glück fiel uns das gleich auf und Papa hob den Umschlag auf und reichte ihn uns durchs Fenster. Na das wäre was geworden! Zuvor waren wir bereits von Winnie instruiert worden wann man wie das Haus betritt. Philipp musste zuerst aussteigen und wir konnten die Eltern mit einer Handbewegung begrüßen, wobei man beide Hände zu einer Kugel zusammenlegte, über jede Schulter zweimal schüttelte und dabei (so spricht man es wohl aus) „Gong schi“ sagt. Allerdings wurde alles nicht so streng gesehen, auch dass wir nicht fotografieren und filmen sollten. Wir bekamen eine extra Behandlung mit speziellen Plätzen, Obst, Tee etc. Wir warteten mit der Familie von Sara, die sich reichlich in den Rest des Hauses quetschte. Zwischendurch lugte Sara schon die Treppe herunter, wurde aber sofort wieder hochgescheucht, da es noch nicht ihr Einsatz war. Aber irgendwann durfte sie, nachdem wir unten auf den Stühlen vom Hochzeitsplaner umsortiert wurden. Das war ein wenig wie Stuhltanz. Der Herr war auch etwas laut und gab Anweisungen. Die Höhe war allerdings seine Hose, die an den Schienbeinen tiefe Einblicke gewähren ließen. Sie sah echt super aus in der traditionellen Hochzeitskleidung, während Philipp nicht so richtig zur asiatischen Tracht passen wollte, aber gerade das in Kombination mit dem Hut (leider hatte Sara ihm die Brille untersagt) war ein Knaller. In Begleitung einer Tante, die sich mit den Hochzeitsbräuchen auskannte reichte Sara nun unserer Familie Tee und sagte etwas dazu. Wir tranken den aus und rollten danach unsere roten Umschläge in die Tassen. Diese gaben wir ihr dann mit netten Worten zurück.
Nach vielen Fotos vom Brautpaar mit allen möglichen Kombinationen aus Familienmitgliedern und Freunden, ging Sara wieder nach oben und ließ uns mit einer neuen (geschnitzten) Obstplatte und Spießchen zurück. Das bekam der Obstplatte nicht gut, uns aber umso mehr. Zwischendurch wurden Geschenke übergeben (Hochzeitskuchen, der ungewohnterweise deftig – mit Schwein und Kürbis- war und nicht süß), der Geschenketisch war gut gefüllt.
Das krasseste Geschenk war ein ein Körbchen mit Deko, v.a. mit kleinen Hühnchen, die für viel nachwuchs stehen sollte und tatsächlich krähte, wenn man einen Knopf betätigte.
Nach einer Weile kehrte sie in dem riesigen weißen Hochzeitstofftraum wieder zurück. Zuvor hatte Philipp sie aus ihrem Zimmer holen müssen mit anklopfen etc. Unten verabschiedete sich Sara nun von ihren Eltern und bedankte sich für die letzten 29 Jahre.

Auch Philipp sagte etwas auf Chinesisch. Dann verließen die beiden das Haus. Draußen wurde der Blumenstrauß von Philipp aus dem Fenster gehalten, Sara schmiss ihren Fächer aus dem Autofenster. Das macht die Braut, um all ihre schlechten Eigenschaften abzulegen, wenn sie in das Haus ihres Mannes geht. Es gibt wohl mittlerweile Bräute, die ganze palmwedelgroße Fächer werfen oder Sara wurde von einem Cousin geraten doch die alte Klimaanlage zu werfen. Wir erklommen wieder unsere Autos und nach dem kleinen Feuerwerk ging die Karawane ab durch die Stadt. Für jedes Paar war wirklich ein Auto und ein Fahrer dabei. Das fühlte sich seltsam an wie man da so vornehm durch die Gegend kutschiert wurde. Zum Glück hatten die beiden schönes Wetter. An der „Location“ angekommen, konnte Sara so das Ritual mit dem Korb (eine flache aus Fasern gewebte Schale) über den Kopf gehalten während sie ausstieg, damit Gott nicht sah, dass sie die wichtigste Person an dem Tag war.
Wir fuhren in die Tiefgarage und versammelten uns alle im Fahrstuhl auf dem Weg zum Saal, in dem gefeiert werden sollte. Es gab mehrere Säle und passende kleine Umkleiden, in denen die Braut umgekleidet, frisiert und geschminkt wurde. Wir fanden unseren Tisch und hatten dann noch ein wenig Zeit, um uns umzuschauen.

Die Bilder des Paares, was nebenan feierte waren doch etwas gewagt für eine Hochzeit. Ansonsten sahen wir die Verwandten und Bekannten eintrudeln, räumten die gerade aufgebaute Candybar mit weg und übten das Einlaufen über den roten Teppich.
Wir vier deutschen Jugendlichen wollten (die taiwanesischen Freunde von Sara trauten sich nicht) das „Gong Schi“ auch beim Laufen machen. Nach uns mussten auch Philipp, Sara und ihre Eltern einlaufen und üben. Es wuselten immer zwischendurch ein paar quiekende Kinder mit manchmal großen Schleifchen auf dem Kopf herum und freuten sich, wenn sie unter den Tischen durchkrabbeln konnten. Die Erziehungsberechtigten freuten sich nicht immer darüber und flitzten zwischen den Tischen umher, um ihren Nachwuchs wieder einzufangen. Sara wurde in der Zwischenzeit wieder umgestylt, auf der Leinwand liefen Bilder vom Brautpaar und Gästen.
Aber irgendwann war der Moment gekommen und wir wurden von der Ansagerin angesagt. Nachdem uns der Fotograf abgelichtet hatte, zogen wir vier das „Gong Schi“ durch und ernteten dafür viel begeistertes Lachen. Es war schon merkwürdig von ca. 170 Leuten angeschaut zu werden und unter Scheinwerfern durch den Mittelgang zu laufen. Dann saßen wir am Tisch und beobachteten das Einlaufen von Oma und Opa, Brauteltern und Brautpaar.

Alles wurde von der Ansagerin begleitet (natürlich auf Chinesisch) und irgendwann, nachdem sich alle die Hände gegeben und Sara sich symbolisch von ihren Eltern verabschiedet hatte (mit Tränen, v.a. vonseiten ihrer Eltern), liefen Philipp und sie zur Bühne, traten darauf und gossen eine große Flasche Sekt in eine Glaspyramide.
Das alles (ab unserem Eintreten) geschah zu einer seltsamen Musikauswahl: Wir hatten eine Art Pokémon-Techno, dann kam zwischendurch Enya, dann „Under the sea“, Peter Gabriel... eine kuriose Mischung- sehr abwechslungsreich, das muss man schon sagen. Dann kam das Essen- scheinbar auch hier mit eines der Highlights. Hannes bekam ein vegetarisches Menü und Mama und Papa am Haupttisch extra nett angerichtetes Essen. Braut und Bräutigam verschwanden ohne viel gegessen zu haben zum Umziehen. Das Essen kam Stück für Stück und wurde auf den runden, drehbaren Teil in der Mitte gestellt. Zum Glück gab es eine Menü-Karte, denn manchmal war es nicht auf den ersten Blick ersichtlich was es gab. Bei Hannes war es noch ein Stück interessanter, da gab es nicht mal eine Karte dazu :D!!! Das nächste Highlight war erneutes Einlaufen des Brautpaares in anderen Sachen (Sara trug jetzt ein traditionell rotes Kleid).
Huch wieder ein paar neue Teller auf der Platte mit neuen interessanten Gerichten. Schnell zwischendurch was essen, bevor sie es wegtragen. Kurz wurde der Film von Philipp von der Hochzeit in Deutschland gezeigt. Ha, es ist schon der erste Hauptgang gekommen, wo ist der Rest von der Vorspeise eigentlich geblieben? Dann gab es Spiele: Zuerst das Fischchen- Spiel für die Single-Ladies.
Das hatten wir schon in Deutschland gespielt: Mehrere Papierfischchen wurden an langen Bändern an den Brautstrauß gebunden, dann mussten alle ziehen und wer am Ende noch am Brautstrauß hing musste den Bräutigam aus dem anderen Saal heiraten – hahaaaaa- nee zum Glück nicht. Wo ist mein Teller hin? Okay, dann schnell was zu essen sichern, sonst bekomm ich von dem Gang nichts mehr ab.


Anstatt des Strumpfbandwurfes gab es ein Cola-Wetttrinken, bei dem Benni fast gewonnen hätte- zum Glück nur fast, denn wie hätten wir den Plüschbrokkoli nach Hause transportieren sollen???
Dafür gabs Salz- und Pfefferstreuer in Form von Botanik in den verschiedenen Jahreszeiten. Wieder kurz Zeit zum Essen- wann ist denn der Nachtisch aufgetaucht? Wieder ein Spiel mit einem Leuchtstab, der herumgegeben werden musste am Tisch. Wenn die Musik aus war, hatte derjenige eine „Strafe“ zu erdulden, der das Knicklicht noch in der Hand hielt. Jeff hatte Glück (gut er gab den Stab auch immer absichtlich langsam weiter), denn beim zweiten
Durchgang gabs für denjenigen ein Geschenk. Die beiden kleinen Mädchen, die mit uns am Tisch saßen beschäftigten sich sehr zufrieden mit kleinen Sachen, die eine spielte mit Kathis Fächer und ihr Verstecken.

Ich schnappte mir gerade noch ein Stück Melone und plötzlich gingen die Lichter an, die Ansagerin verabschiedete sich, alle nahmen Hut, Stock und Gesangsbuch und liefen Richtung Ausgang, wo das Brautpaar (Sara im Kleid aus Deutschland) stand und mit allen Gästen Fotos machte. Die Gäste waren allesamt verdattert, geblendet und manchen schaute gerade noch ein Shrimp aus dem Mund. Keiner hatte mit dieser Art Erleuchtung gerechnet- wie jetzt? Alle raus? Das wars? Der Abend hatte doch gerade erst angefangen. Ein wenig aus Verzweiflung, aber auch aus Trotz tanzten alle bei uns paarweise noch ein bisschen zur Musik, was wiederum zur Erheiterung der anderen Gäste sorgte und auch gefiltm wurde.
Auch viel von dem guten Essen fand seinen Weg in die Tonne. Während ich noch versuchte das von den anderen Tischen zu retten, was wir wirklich mitnehmen konnten- eigentlich hauptsächlich leider nur Melone. Leider nahmen sich auch nicht so viele Gäste wie angesagt Sachen mit- schade drum. Wir warteten eine Weile bis alle durch waren mit den Fotos- in der Zeit hatte das Personal schon fast wieder die gesamte Halle aufgeräumt, neu bezogen und gedeckt. Hallelujah- das läuft ja wie am Fließband hier.
Da wir den Abend noch nicht beenden wollten, fuhren wir erst ins Hotel- umziehen und liefen dann zu Sara, um dort noch ein bisschen Karaoke zu zelebrieren. Es wurde auch von Danny extra nochmal jemand zum Bierholen geschickt, obwohl wir mehrfach versicherten, dass der Alkohol durchaus reichte. Winnie und ihre Mutter blühten richtig auf und sangen und sangen und sangen, viele chinesische Lieder mit viel Echo. Wir versuchten das Echo aus unserem Gesang heraus zu halten, was unsere taiwanesischen Freunde nicht so richtig verstanden. Paul war richtig gut drauf und kommentierte alles deutlich angeheitert per Mikrofon, während Chrissy mehrmals erfolglos versuchte ihm dieses abzunehmen. Aber das hatte er fest im Griff und nutzte es auch beim Singen von uns mehr oder weniger bekannten Liedern. Leider gab es nicht allzu viele uns bekannte Lieder. Oft waren die uns bekannten Lieder zwar schon bekannt, aber eher in China und es war auch nicht dasselbe Lied. Aber Lemon tree konnten wir zum Glück mehrmals problemlos trällern – man ich werde morgen keine Stimme mehr haben. Mama und Papa hatten sich zwischendurch heimlich weggeschlichen, Sara telefonierte viel und wir konnten auch irgendwann gerade so noch vor Müdigkeit ins Hotel schwanken und ins Bett plumpsen- auf jeden Fall mal eine ganz andere Hochzeit!

Samstag 28.09.19- Kleidertausch

„Wir renovieren für Sie“ - die Geschichte aus der Kleiderkammer ist in Arbeit.


Heute hieß es mal wieder früh aufstehen und zwar sehr früh und das für – wie Hannes früher gesagt hätte- für ein paar Pötte. Aber nein, das waren schon ganz besondere Pötte, denn das war das National Museum of Arts. Da Sara und Philipp wieder Termine hatten, hatte Sara Freunde/Verwandte beauftragt uns den Tag über zu begleiten. Zunächst versuchten wir es per Bus. Als aber der zweite volle Bus an uns vorbeifuhr (obwohl der erste Busfahrer meinte er würde Bescheid geben und einen weiteren ordern), organisierten wir Uber und der Freund der einen fuhr ebenfalls mit dem eigenen Auto. Im Museum angekommen (es war perfektes Museumswetter, denn es goss wie aus Eimern) bekamen wir eine englische Führung (Oma und Opa entschieden sich ihren eigenen Weg zu gehen) in einer Gruppe-auch, wenn wir dafür ein wenig warten mussten. Der nette englische Guide machte seine Sache gut und führte uns zu Beginn der einstündigen Führung zu den antiken Objekten aus Bronze. Zu jedem der Stücke erzählte er spannende Details und dies ausführlich, seeeeeehhhr ausführlich... sodass nach vier Exemplaren (ausschließlich aus der Bronze-Abteilung) bereits 20 Minuten vergangen waren. Es gab aber noch zig weitere Abteilungen warteten: Schnitzereien, Malereien, Kalligraphie, Jade, Vasen, Haarnadeln...deswegen entfernten wir uns diskret.
Die Gruppe war recht groß und da der Guide seinen Bezug zu Deutschland (wir hatten scheinbar den Chinesen das Rezept fürs Bierbrauen mitgebracht und die hatten es bis nach Taiwan weitergetragen) schon zum Besten gegeben hatte, fiel unser Schwänzen gar nicht so auf. Organisationsgeschick und Kartenlesefähigkeiten waren jetzt gefragt, um uns effektiv und unfallfrei durch möglichst viele Abteilungen zu schleusen.

So sahen wir herrlich geschnitzte Wohnzimmer, viel Tinte auf Papier, eine Haarnadel mit Fledermaus- auf der man die Fledermaus allerdings nicht erkennen konnte, einen kleinen dicken Menschenmops aus Keramik, Jade in verschiedenen Farben (aber erstaunlich wenig grün), zerbrechliche alte Vasen und Souvenirshops mit zahlreichen Bildern, auf denen dicke Pferde und teils sehr gruselige Katzen zu sehen waren.


Gruselig war auch, dass Hannes und Kathi einen jungen Typen mit Laptop neben sich auf der Sitzgelegenheit beobachteten, der scheinbar etwas programmierte und sich sehr oft umsah. Benni sprach ihn dann an, wobei herauskam, dass dieser gerade Geldprobleme hatte und meinte es wäre ganz leicht hier im Museum auf die Kreditkarten anderer Leute zuzugreifen, wenn diese z.B. im Souvenirshop etwas kauften. Okaaaayyy das ist schon ein wenig abgefahren, dass der das so zugibt. Allerdings konnten wir auch nicht einschätzen inwiefern das wirklich eine Gefahr darstellte, aber zur Sicherheit bezahlten wir bar und schalteten die Handys aus. Es war zwar nicht ganz einfach, aber am Ende hatten wir uns nach dem Souvenirshop wiedergefunden, wo auch ein riesiges Gedrängel herrschte und man aufpassen musste nicht aus Versehen mit einer anderen asiatischen Reisegruppe mitgeschwemmt zu werden. Karen, ihr Freund und die Cousine managten nun die Fahrt zum Kleiderverleih währenddessen sich die Männer in der Haupteinkaufsmeile der heutigen Jugend vergnügen sollten,ein Tempel und etwas zu essen gab es natürlich auch zu bestaunen. Aber vorher noch etwas essen. Zwar war das gute Restaurant voll, aber deswegen konnte man trotzdem dort essen. Nur platziert wurde man zwei Restaurants weiter an einem der Tische inmitten eines scheinbaren Kooperationsrestaurants.
Für uns lief extra irgendein armer Kellner ständig hin und her. Aaaaber nicht zu viel mampfen, wir wollen schließlich noch in die Kleider passen.Man hätte sich auch passend zum Kleid die Haare türkis-hellblau-grün (jaaa alles auf demselben Kopf) färben können... später, vielleicht später.

In dem Laden war einiges los. Scheinbar ließen sich einige Damen für eine Hochzeit einkleiden, frisieren und make-upieren. Wir bekamen eine kurze Einweisung und versuchten dann erst einmal eine passende Größe zu finden. Denn jeder, der schon mal Klamotten made in Asia bestellt hat weiß: Oft ist das sehr frustrierend, denn da können schnell mehrere „X“ vor dem L stehen.
Nach unserer ersten Probe bekamen wir eine hochgezogene Augenbraue und ein Kopfschütteln vom Besitzer des Etablissements. Schnell schob er die Brille auf die Nase und reichte uns mehrere Kleider, wobei er hoffentlich nur nach Größe ging, denn eins der zwei, die ich bekam war pink und das andere sah aus wie ein Sofabezug aus den 70er Jahren.
Während Mama relativ schnell eine passende Form des Kleides gefunden hatte und Kathi nur noch zwischen den Mustern schwankte, wollte ich nicht das empfohlene nehmen, auch wenn es „spack“ saß wie es wohl so Sitte war. Da ich aber auf der Hochzeit auch was essen und nicht die ganze Zeit den Bauch einziehen wollte, entschied ich mich für ein petrolfarbenes, etwas größeres Kleid, was der taiwanesische Lagerfeld mit einem Seufzer als „Too big!“ empfand. Egal, ich nehms trotzdem, da passt dann immerhin noch ein Reisbällchen rein. Wir durften uns für den nicht allzu günstigem Leihpreis auch noch zwei Accessoires heraussuchen. Da die uns die Kämme und Spangen nicht ganz geheuer waren, entschieden wir uns für Handtaschen und Fächer und auch gegen den Dekoschirm. Das Ehepaar Lagerfeld besaß auch einen Hund, der nur auf der Seite lag oder herumgetragen wurde, weshalb Kathi vermutete, dass er querschnitzgelähmt war. Wenn dem so wäre, wäre das sehr traurig, allerdings war es auch eher unangenehm zu sehen wie Frau Lagerfeld die Hochzeitsgesellschaft schminkte und inmitten des Schminkens ab und zu das Hundi knuddelte und mit den Fingern Sekunden später wieder einen Liddstrich zog. Eher so ihhhh. Mit unseren erbeuteten Kleidern (die Herren waren zwischendurch zum Gucken drin gewesen, suchten aber schnell wieder das Weite, weil es drinnen zu voll war) traten wir auf die Straße und entschieden uns dafür bei dem Wetter wieder ins Hotel zurück zu fahren, um dort irgendwo etwas einzunehmen, vielleicht streetfood? Ich glaube Saras Freunde waren nicht allzu böse darüber und organisierten Auto und Uber. Im Hotel erst einmal pausieren und alles verstauen. Nach einer Dusche ging die Wanderung los, wir erfragten in dem einzigen Friseur auf dem Weg, ob der noch Platz hätte. Erst hatte er, dann nur noch für zwei und dann noch für eine. Lustigerweise war das wohl derselbe Friseur, in Saras Mama und Oma am nächsten Morgen gehen sollten. Wir räuberten erst einmal an dem Streetfoodstand, an dem Sara schon sehr bekannt ist. Leider konnte Hannes da aber nichts essen und es war gar nicht so einfach einen Platz zu finden, der noch offen hatte und passend war.


Aber schließlich fielen wir in das nach Las Vegas klingende Cash City ein. Wir schauten ein wenig nach links und ein wenig nach rechts, um von den anderen Gästen abzugucken wie man sich in diesem Restaurant verhielt. Jeder hatte einen kleinen Kochtopf vor sich und man konnte verschiedene Platten wählen, deren „Inhalt“ dann in den Topf getunkt wurde. Benni und ich teilten uns eine und das war eine gute Wahl. Denn jede Platte kam mit einer weiteren Platte Gemüse, v.a. Mit Kohl, viiiiieeeel Kohl, Berge von Kohl!!!
Bei Hannes hatten sie das Kochwasser extra getauscht und auch bei uns tauschten sie dann freundlicherweise auch das Wasser nach und nach. Vielleicht dachten sie wir hätten es alle nicht so mit Fisch. Zusätzlich gab es Soßen (Soja, Knoblauch und verschiedene weitere Zutaten) und Wasser gratis. Auch hätte man eine Eisflatrate (Softeis, das andere Eis gehörte zum Essen dazu) oder Getränke (mit Geschmack-außer Bier) wählen können. Zunächst herrschte gefräßige Stille und jeder versuchte mit glasigem Blick oder auch beschlagener Brille seinem Kohlberg den Gar aus zu machen, hab ich schon erwähnt, dass es viel Kohl gab? Aber irgendwann kamen die ersten Zeichen der Resignation und wir mussten einen Teil des Kohls zurück lassen. Oma wollte doch tatsächlich mit Karte im Cash City zahlen... tztztztzzzz... neenee, das heißt hier ja nicht umsonst so.
Wir rollten mal wieder nach Hause..., vorbei an einer Kakerlake, die sich an den Kohlresten vom Markt labte- lass das lieber, sonst bläst du auch auf und man kann dich an den Fühlern wie ein Luftballon halten...was soll das bloß werden mit der schlanken Linie. Spät abends gab es noch eine kleine Einweisung für die morgige Hochzeit.
Ich weiß gar nicht wie Sara das macht mit dem wenigen Schlaf und ausartenden Terminen.