Montag, 30. September 2019

Freitag, 20.09.19- It's raining rain-von der Regenzeit und fliegenverscheuchenden Handschuhen! Oder auch: Der Schrank unter der Treppe! 

Aufstehn, auf das Frühstück zugehen, wieder einmal lernen mit den Stäbchen umzugehen... und Fliegen verscheuchen. Aber da die kleinen, gemeinen, hungrigen Brummer schnell wieder auf dem Buffet Platz nahmen, griff die Oma der Familie zu einem ausgefuchsten Plan! Sie drückte einem der jüngeren Familienmitglieder einen Stock in die Hand, an dem zwei Einmalhandschuhe befestigt waren und dieser durfte sich zu seiner eigenen überschäumenden Freude neben das Buffet setzen und mit den Handschuhen wedeln. Scheiß Job!Ich schnappte mir wieder Früchte und den leckeren Bananenpfannkuchen vom Buffet und ging danach dazu über in Ruhe meinen Rucksack zu packen, denn um 12 Uhr musste ich erst auschecken und ab 13 Uhr sollte der Bus kommen.
Entspannt, entspannter... zu entspannt. Denn der Bus kam natürlich nicht um 13 Uhr, dafür hatte ich Zeit den Mann neben mir zu beobachten, der scheinbar der Besitzer der Drohne war, die gestern über den Reisfeldern für erstaunte Blicke gesorgt hatte. Aber irgendwann wurde das langweilig, denn der machte nichts. Außer den Burger zu mampfen und die Videos auf seinem Laptop anzusehen. Immer, wenn ich die Technik anderer Leute hier sehe, glaube ich nicht, dass mir jemand etwas klauen wird, denn im Vergleich dazu haben meine Sachen Ähnlichkeit mit dem ältesten, deutschen Weinbrand: Sie sind (Asbach) Uralt. Gut, was könnte ich denn noch beobachten: Den Gecko an der Wand? Wie sich die Chips-Packungen im Wind wiegen? Wie das Gras wächst, was die Familie gestern mit der Schere kurz geschnitten hatte? Man sieht: Ich langweile mich nicht so oft, damit bin ich glatt überfordert. Der Brite und die Niederländerinnen, die mit mir warteten, wurden nacheinander abgeholt und kein Bus kam, um mich abzuholen. Ist irgendwie wie im Kindergarten damals :D- ich war oft das letzte Kind, was abgeholt wurde, aber dafür hatte man mehr Zeit zum Spielen. Endlich kam ein kleiner Bus, der nur mich abholte und zu einem großen Bus fuhr, der auch andere aufsammelte und scheinbar nur Touris transportierte. Mehrere Nationalitäten fuhren so mit: Briten, US-Amerikaner, eine Gruppe aus Israel... besonders letztere hatte es nicht so mit der Rücksicht. Als eine Britin den jungen Herrn vor ihr bat doch den Sitz etwas nach vorn zu rutschen, tat er dies murrend. Als dann aber saß, lag er – zack, so schnell konntest du gar nicht gucken- wieder hinten, fast auf ihrem Schoß. Mich hätte es nicht gewundert, wenn sie ihm eine Kopfnuss verpasst hätte. Langsam wichen die Reisfelder und Büffel Läden, Straßen, großen Häusern und Rollern, viiiiieeelleeeenn Rollern und sie waren überall.
Um nichts in der Welt hätte ich hier Auto oder Bus fahren wollen. Der Bus setzte uns an einem Platz ab, an dem es viele Autos, viele Menschen und einen Taxistand gab.

Ich hatte trotz all der netten Angebote wie Fahrradrikscha oder auch Taxi bereits ein Grab Car bestellt und wähnte mich schon glücklich, da es viele gab und die auch günstig waren. Aber gerade weil es so viele Autos gab, v.a. an dieser Ecke schien es unmöglich das entsprechende auszuwählen trotz mitgeteiltem KFZ-Kennzeichen. Ich wechselte-leicht lebensmüde- die Straßenseite, um besser sichtbar zu sein und mehr sehen zu können. Angeblich war das Auto auch schon da-man glaubt gar nicht wie gut man ein 4-türiges Auto verstecken kann. Natürlich war mein Handy-Akku auch gerade nahe Exitus (war von 50% auf 15% gefallen innerhalb von 2 Minuten), da ich dem Fahrer schrieb. Dabei kamen sehr lustige Sachen heraus, da die Übersetzungsapp von Grabcar scheinbar andere deutsche Wörter kannte als ich. Ich schrieb- 12 % Akku-kein passendes Auto. Ich schickte Bilder vom Standort, 8% Akku-wo ist das doofe Vehikel? Ich schrieb und schickte weitere Bilder, 5% Akku- das Auto blieb verschwunden. Nachdem ich die Powerbank angehängt und tief Luft geholt hatte, schrieb der Fahrer, dass ich doch bitte die Fahrt nicht canceln möge. Ich will hier nix canceln, ich will fahren! Endlich bog er um die Ecke und ein nett lächelnder Mann, der scheinbar nicht sehr häufig zum Zahnarzt gehen konnte, nahm mir den Rucksack ab und verstaute ihn im Kofferraum.
Auf der Fahrt versuchte er sich mit mir zu unterhalten mit ein paar Wörtchen Englisch. Er war sehr zuvorkommend und dankbar und trug mir mein Gepäck noch bis ins Hostel rein. Dieses war wie schon vermutet klein, aber fein und gut versteckt. Aber sauber und mit freundlichen Leuten ausgestattet. Ich wurde auch sofort zum Zimmer geführt, aber zunächst öffnete sie einen großen zweitürigen Schrank, der vielleicht die Spinde für die Rucksäcke oder das kleine Bad enthielt. Als sie jedoch die Türen geöffnet hatte, blieb mir der Mund offen stehen: Denn das war das 4er Bett-Zimmer!!! Da hatte Harry Potter ja vergleichsweise einen Tanzsaal unter der Treppe zur Verfügung. Auch waren die zwei unteren Betten schon besetzt und das Doppelstockbett besaß die Standhaftigkeit einer Strickleiter.

Ich hatte schon gedacht in den Vinh-Moc-Tunneln Platzangst zu bekommen, aber hier drin war mir nun gar nicht nach Verweilen zumute. Nachdem ich ein wenig geräumt und sortiert hatte, setzte ich mich mit PC in den Aufenthaltsbereich (also den offenen Raum vor der Rezeption), weil bis ins Café im hinteren Bereich das Internet nicht reichte. Bei einem leckeren Kokoskaffee beobachtete ich wie draußen ein paar Regentropfen vom Himmel fielen, dann wurden es ein paar mehr... und noch mehr... und noch ein bisschen mehr... bis schließlich auf dem Bürgersteig ein paar kleine Gegenstände und Blätter auf einem neu entstandenen Flüsschen am Hostel vorbeitrieben und die Markise vom Café gegenüber verwandelte sich in einen Swimmingpool für Spatzen.
Der Wachmann vom Hostel amüsierte sich darüber wie ich mich über das Wetter amüsierte. Aber schließlich filmte selbst die Café-Bedienung den Regen und das will schon was heißen.
Nach einer Weile schreiben, ging es mir nicht mehr ganz so gut, was vielleicht daran lag, dass ich seit dem Frühstück nur ein paar Kekse gegessen hatte und mein Blutzuckerspiegel im Keller war: Also noch mehr Kekse essen. Schließlich legte ich mich ins Bett und schrieb weiter bis die Schranktür aufging und ein junges Pärchen in den Schrank trat. Es waren Deutsche: Timo und Georgia aus Hamburg. Wir unterhielten uns noch sehr nett und tauschten uns aus. Beim letzten Aufstieg auf das Bett vor dem Schlafengehen wackelte es ziemlich. Georgia wies darauf hin, dass die Bett ja eh nicht komplett umkippen konnten, da der Platz gar nicht da war. Ja stimmt, das beruhigte mich ungemein-also gar nicht!

 

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