Freitag, 20.09.19- It's raining rain-von der Regenzeit und fliegenverscheuchenden Handschuhen! Oder auch: Der Schrank unter der Treppe!
Aufstehn, auf das Frühstück zugehen,
wieder einmal lernen mit den Stäbchen umzugehen... und Fliegen
verscheuchen. Aber da die kleinen, gemeinen, hungrigen Brummer
schnell wieder auf dem Buffet Platz nahmen, griff die Oma der Familie
zu einem ausgefuchsten Plan! Sie drückte einem der jüngeren
Familienmitglieder einen Stock in die Hand, an dem zwei
Einmalhandschuhe befestigt waren und dieser durfte sich zu seiner
eigenen überschäumenden Freude neben das Buffet setzen und mit den
Handschuhen wedeln. Scheiß Job!Ich schnappte mir wieder Früchte und
den leckeren Bananenpfannkuchen vom Buffet und ging danach dazu über
in Ruhe meinen Rucksack zu packen, denn um 12 Uhr musste ich erst
auschecken und ab 13 Uhr sollte der Bus kommen.
Entspannt,
entspannter... zu entspannt. Denn der Bus kam natürlich nicht um 13
Uhr, dafür hatte ich Zeit den Mann neben mir zu beobachten, der
scheinbar der Besitzer der Drohne war, die gestern über den
Reisfeldern für erstaunte Blicke gesorgt hatte. Aber irgendwann
wurde das langweilig, denn der machte nichts. Außer den Burger zu
mampfen und die Videos auf seinem Laptop anzusehen. Immer, wenn ich
die Technik anderer Leute hier sehe, glaube ich nicht, dass mir
jemand etwas klauen wird, denn im Vergleich dazu haben meine Sachen
Ähnlichkeit mit dem ältesten, deutschen Weinbrand: Sie sind
(Asbach) Uralt. Gut, was könnte ich denn noch beobachten: Den Gecko
an der Wand? Wie sich die Chips-Packungen im Wind wiegen? Wie das
Gras wächst, was die Familie gestern mit der Schere kurz geschnitten
hatte? Man sieht: Ich langweile mich nicht so oft, damit bin ich
glatt überfordert. Der Brite und die Niederländerinnen, die mit mir
warteten, wurden nacheinander abgeholt und kein Bus kam, um mich
abzuholen. Ist irgendwie wie im Kindergarten damals :D- ich war oft
das letzte Kind, was abgeholt wurde, aber dafür hatte man mehr Zeit
zum Spielen. Endlich kam ein kleiner Bus, der nur mich abholte und zu
einem großen Bus fuhr, der auch andere aufsammelte und scheinbar nur
Touris transportierte. Mehrere Nationalitäten fuhren so mit: Briten,
US-Amerikaner, eine Gruppe aus Israel... besonders letztere hatte es
nicht so mit der Rücksicht. Als eine Britin den jungen Herrn vor ihr
bat doch den Sitz etwas nach vorn zu rutschen, tat er dies murrend.
Als dann aber saß, lag er – zack, so schnell konntest du gar nicht
gucken- wieder hinten, fast auf ihrem Schoß. Mich hätte es nicht
gewundert, wenn sie ihm eine Kopfnuss verpasst hätte. Langsam wichen
die Reisfelder und Büffel Läden, Straßen, großen Häusern und
Rollern, viiiiieeelleeeenn Rollern und sie waren überall.
Um nichts
in der Welt hätte ich hier Auto oder Bus fahren wollen. Der Bus
setzte uns an einem Platz ab, an dem es viele Autos, viele Menschen
und einen Taxistand gab.
Ich hatte trotz all der netten Angebote wie
Fahrradrikscha oder auch Taxi bereits ein Grab Car bestellt und
wähnte mich schon glücklich, da es viele gab und die auch günstig
waren. Aber gerade weil es so viele Autos gab, v.a. an dieser Ecke
schien es unmöglich das entsprechende auszuwählen trotz
mitgeteiltem KFZ-Kennzeichen. Ich wechselte-leicht lebensmüde- die
Straßenseite, um besser sichtbar zu sein und mehr sehen zu können.
Angeblich war das Auto auch schon da-man glaubt gar nicht wie gut man
ein 4-türiges Auto verstecken kann. Natürlich war mein Handy-Akku
auch gerade nahe Exitus (war von 50% auf 15% gefallen innerhalb von 2
Minuten), da ich dem Fahrer schrieb. Dabei kamen sehr lustige Sachen
heraus, da die Übersetzungsapp von Grabcar scheinbar andere deutsche
Wörter kannte als ich. Ich schrieb- 12 % Akku-kein passendes Auto.
Ich schickte Bilder vom Standort, 8% Akku-wo ist das doofe Vehikel?
Ich schrieb und schickte weitere Bilder, 5% Akku- das Auto blieb
verschwunden. Nachdem ich die Powerbank angehängt und tief Luft
geholt hatte, schrieb der Fahrer, dass ich doch bitte die Fahrt nicht
canceln möge. Ich will hier nix canceln, ich will fahren! Endlich
bog er um die Ecke und ein nett lächelnder Mann, der scheinbar nicht
sehr häufig zum Zahnarzt gehen konnte, nahm mir den Rucksack ab und
verstaute ihn im Kofferraum.
Auf der Fahrt versuchte er sich mit mir
zu unterhalten mit ein paar Wörtchen Englisch. Er war sehr
zuvorkommend und dankbar und trug mir mein Gepäck noch bis ins
Hostel rein. Dieses war wie schon vermutet klein, aber fein und gut
versteckt. Aber sauber und mit freundlichen Leuten ausgestattet. Ich
wurde auch sofort zum Zimmer geführt, aber zunächst öffnete sie
einen großen zweitürigen Schrank, der vielleicht die Spinde für
die Rucksäcke oder das kleine Bad enthielt. Als sie jedoch die Türen
geöffnet hatte, blieb mir der Mund offen stehen: Denn das war das
4er Bett-Zimmer!!! Da hatte Harry Potter ja vergleichsweise einen
Tanzsaal unter der Treppe zur Verfügung. Auch waren die zwei unteren
Betten schon besetzt und das Doppelstockbett besaß die
Standhaftigkeit einer Strickleiter.
Ich hatte schon gedacht in den
Vinh-Moc-Tunneln Platzangst zu bekommen, aber hier drin war mir nun
gar nicht nach Verweilen zumute. Nachdem ich ein wenig geräumt und
sortiert hatte, setzte ich mich mit PC in den Aufenthaltsbereich
(also den offenen Raum vor der Rezeption), weil bis ins Café im
hinteren Bereich das Internet nicht reichte. Bei einem leckeren
Kokoskaffee beobachtete ich wie draußen ein paar Regentropfen vom
Himmel fielen, dann wurden es ein paar mehr... und noch mehr... und
noch ein bisschen mehr... bis schließlich auf dem Bürgersteig ein
paar kleine Gegenstände und Blätter auf einem neu entstandenen
Flüsschen am Hostel vorbeitrieben und die Markise vom Café
gegenüber verwandelte sich in einen Swimmingpool für Spatzen.
Der
Wachmann vom Hostel amüsierte sich darüber wie ich mich über das
Wetter amüsierte. Aber schließlich filmte selbst die Café-Bedienung
den Regen und das will schon was heißen.
Nach einer Weile schreiben,
ging es mir nicht mehr ganz so gut, was vielleicht daran lag, dass
ich seit dem Frühstück nur ein paar Kekse gegessen hatte und mein
Blutzuckerspiegel im Keller war: Also noch mehr Kekse essen.
Schließlich legte ich mich ins Bett und schrieb weiter bis die
Schranktür aufging und ein junges Pärchen in den Schrank trat. Es
waren Deutsche: Timo und Georgia aus Hamburg. Wir unterhielten uns
noch sehr nett und tauschten uns aus. Beim letzten Aufstieg auf das
Bett vor dem Schlafengehen wackelte es ziemlich. Georgia wies darauf
hin, dass die Bett ja eh nicht komplett umkippen konnten, da der
Platz gar nicht da war. Ja stimmt, das beruhigte mich ungemein-also
gar nicht!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen