Dienstag, 17. September 2019

Freitag, 13.09.19- Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön- denn da kann man auf die Köpfe das Gepäck schnell fallen sehen!

Morgenstund hat Sand im Mund- nein das stimmt so eigentlich nicht! Der Sand war mittlerweile überall! Wir mussten heute früher aufstehen und waren so schnell, dass wir uns im Restaurant noch ein kleines Frühstück genehmigten bis das Grabcar kam.
Das zu ordern war kein Problem und mit ca. 90.000 Dong waren wir dabei. Problemlos ging es zum Bahnhof und durch die Absperrung, an der unsere Tickets gescannt wurden. Nur mit dem Gleis 2 konnten wir nicht viel anfangen, denn es gab nur eins. Entweder mussten auch wir gegen eine Wand zum Bahnsteig rennen und hoffen, dass wir Harry-Potter-like auf der anderen Seite am richtigen Gleis herauskamen oder... einfach der Masse folgen. Eine Dame wies uns den Weg zum richtigen Abteil während der Zug einfuhr und wir alle direkt über Gleis 1 drüberliefen. Ein Herr in Uniform untersuchte unsere Tickets und wir kletterten in den nicht rollstuhlgerechten Wagen des Zuges.














Unsere reservierten Plätze lagen leider an einem milchigen Fenster und von der „Air Con“ war nicht viel zu spüren. Nachdem wir unsere Rucksäcke in die Gepäckablage gewuchtet hatten, ließen wir uns in die Sitze fallen und ich zog an der Rolloschnur, um dieses aufzuziehen, aber das Fenster blieb milchig. Vor uns nahmen zwei ältere Damen Platz und noch im Fall zog die eine das Rollo wieder nach unten. Dann wieder nach oben, dann wieder runter... hoch, runter... hoch? Nein runter! Entweder sie vergaß jedes Mal, dass sie es schon bewegt hatte oder sie suchte nach einer Ersatzbeschäftigung, weil man ihr das Smartphone entzogen hatte. Denn alle anderen hatten eins und fingen sofort an Spiele zu spielen oder laut den vietnamesischen Roland Kaiser für alle deutlich hörbar aufzudrehen. Leslie machte sich ihren Googletranslator und den hübschen Augenaufschlag zunutze und versuchte einem jungen Herrn, der neben einem schönen Fenster auch noch unter den Steckdosen saß, einen Platztausch schmackhaft zu machen. Er willigte schnell ein, setzte sich dann aber einen Sitz weiter nach vorne zu seinem Kumpel- sollte er doch. Wir hatten damit noch einen Vorteil ergattert: Wir saßen direkt unter der Aircon, also einem altersschwachem Windgebläse, aber besser ein bisschen Wind über dem Kopf als den Schweiß auf der Stirn- sagt bestimmt Konfuzius!

 
Dann kamen in kurzen Abständen Wagen durch den Gang gefahren, die zwar keine hüpfenden Schokofrösche oder Berty Botts Bohnen mit Ohrenschmalz anboten, mindestens aber genauso interessant waren. Die Jungs vor uns kauften sich zwei Packungen „Spearmint“(!!!)-Kaugummi und schenkten uns davon eine. Das können wir als emanzipierte Damen (und wohlerzogen noch dazu!) nicht auf uns sitzen lassen und boten ihnen Kekse an- so das nennt man Win-Win-Win-Kuhtauschhandel und damit waren alle zufrieden. Zum Glück blieben die Plätze hinter unseren ehemaligen Plätzen frei und so konnte ich diese nutzen, um Fotos zu schießen, denn um uns herum eröffnete sich das nicht zu viel versprochene Bergparadies.

Dschungel auf der einen, Meer und Strand auf der anderen Seite. Nur die vielen Stromleitungen hingen oft etwas ungünstig im Weg- bei deren Konstruktion wäre Benni eh vom Stuhl gekippt. Der Zug für nicht schnell und hielt oft, aber ab und zu fuhr ein kleine, fiese Kurven, wodurch sich mehrmals ein Rucksack löste und den Besitzern (die Spearmintboys) auf den Kopf fiel. Ich beobachtete meinen Rucksack unsicher, denn wenn dieser auch runterfiel, dann würde er die Rollo-Omi platt machen und der ging es offensichtlich schon nicht so gut. Zum Glück geschah nichts, wir guckten rechts: „Ohhhh“ und guckten links „Ahhhh“ und aßen Käse- und Erdnussbutterkekse. Schneller als erwartet kamen wir nach Hue und fuhren an Gräbern, Büffeln und Reisfeldern vorbei. Leider auch an einzelnen Müllhügeln, aber das war selbst im Hinterland so gewesen.











Tufftuff hielt die Eisenbahn und wir sprangen heraus, versicherten uns beim Schaffner nach der Richtigkeit des Ortes, buchten zwei Grabbikes (Cars gab es hier nicht) und düsten los. Mein Fahrer war sehr lustig, unterhielt sich mit mir und brachte mich sicher ans Hostel. Eine Minute später brummte auch Leslie heran.


Im Hostel empfingen sie uns mit Tee und kühlen Tüchern, danach kam allerdings auch gleich die Anfrage, ob es in Ordnung für uns wäre, wenn wir die erste Nacht im 8er Zimmer (mixed) verbrachten und nicht im Female Dorm, denn mit diesem gäbe es gerade ein Problem und es wäre auch nur ein Mann im mixed dorm. Na gut, dann dahin. Der eine besagte Herr schnarchte in einem Eckbett den nicht vorhandenen Wald auf Kaminholzgröße und wir bekamen ein Doppelstockbett zugewiesen. Mit uns wohnten noch drei andere deutsche Mädchen in dem Raum, die wir noch kennenlernen sollten. Aber erst einmal bekamen wir eine gute Einweisung inklusive Karte in alle in der Umgebung liegenden Sehenswürdigkeiten. Auf dem Weg zur Zitadelle ging eine vietnamesische Frau die ganze Zeit hinter uns. Als wir uns an die Seite stellten, um sie vorbei zu lassen, stellte sie sich daneben, lachte laut und ging dann wieder zurück … waaaaaaas zur Hölle ist denn mit der los? Aber es kann ja nicht nur in Deutschland komische Menschen geben.



















Wir gingen darauf erst einmal einen Kaffee trinken. Ich entschied mich für etwas Grünes, das wohl auch grünen Tee enthielt, mag ich-her damit! Leslie schubste beim Stühle verrücken dann die Hälfte ihres Kaffees um, worüber sie gar nicht amused war. Sofort eilte eine Mitarbeiterin herbei, um den Kaffee-See weg zu mobben. Mein Getränk barg auch eine schwabbelige Überraschung, denn ähnlich dem Bubble-Tea enthielt sich auch grüne Wackelpuddingwürfel- boah bäh. Ich holte mir einen Löffel und sortierte unter den überraschten Augen der Vietnamesen die guten quadratischen Flubbers aus, denn der Rest des Getränks schmeckte sehr lecker, wenn die Flubberlinge nicht den Strohhalm verstopften. Im Café gab es noch einen Trend: Selfies mit dem Getränk, wobei es dafür eigentlich noch einen Spiegel brauchte, um den Pony zurecht zu zupfen, um das Bild dann minutenlang in korrekter Weise auszurichten und dann irgendwann abzudrücken. Mir wäre schon längst der Arm abgefallen.

















Aber wir hatten ja noch andere Pläne und so machten wir uns vorbei an Fährradern und Drachenbooten (nein danke wir gehen zu Fuß) durch einen Park (in dem es eine Art Poetry Slam mit Singen gab) auf bis zur Zitadelle.







Die hatte nur noch eine halbe Stunde geöffnet und die Mauern waren wirklich nicht fürs Drüberklettern gedacht. Es gab leider keinen reduzierten Eintrittspreis, aber etwas anderes Schönes: Wir waren ganz allein hier. Früher war das hier in der Nguyen-Dynastie die Residenz der Kaiser und die damalige Hauptstadt. Nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking enthält auch diese hier einen Kaiserpalast. Erbaut um 1804 (viel später als ich angenommen hatte), wurde sie bei der Tet-Offensive von den US-Militär bombardiert und fast vollständig zerstört. 1993 wurde sie zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt und seit 2015 wird sie restauriert. Das Gelände war riesig und wir konnten nur einen Bruchteil sehen, aber der war des Sehens würdig.


















Hinter der Stadt begegneten wir einem netten Vietnamesen, der uns was über die Flaggen erzählte und selbst Motorradtouren über den Hai Van Pass anbot. Leslie dachte nämlich darüber nach diesen mit dem Motorrad abzufahren. Langsam wurde es dunkel und wir kamen an einem Park (mit vielen flatternden Verwandten Kerstins, die um die Laterne sausten) und zahlreichen Lion und Dragon-Dances vorbei.


Diese gibt es von Mitte August bis Mitte Oktober und sind ein Teil des Erntedankfestes, zu dem es auch MoonCakes gibt (gratis gestern zu dem Kokoskaffee dazu). Wir entschieden uns für ein einheimisch aussehendes Restaurant und konnten von da aus ein weiteres Spektakel vor einer Karaokebar erspähen und beim Essen beobachten. Es dauerte zwar ewig bis es anfing, die sie davor noch einmal übten, aber das war auch gut so, denn fast hätte der eine junge Mann den kleinen Jungen (beide steckten in dem Löwenkostüm, was über die aufgestellten Podeste hüpfte) fallen lassen. Scheinbar konnten Firmen etc. diese Vereine (meist Kampfsportvereine) mieten, die dann diese Vorführungen vor dem jeweiligen Laden etc. aufführten. Es war schon beeindruckend, am süßesten waren zwei kleine Jungs, die sich diebisch freuten als sie wie ein Mini-Drache in einem eigenen Kostüm durch die Gegend und gegen die Beine der Passanten flitzen konnten.
Der Besitzer des Restaurants bot uns an, dass wir vom 3. Stock aus alles von oben beobachten konnten, was wir auch taten und das hat sich gelohnt.







Wir verbrachten gefühlt eine Ewigkeit beim Zusehen und konnten uns kaum lösen. Aber schließlich schlenderten wir zurück zum Hostel durch die Straßen, die sich abends in eine Fußgängerzone verwandelte und haufenweise kleine Stände, Touristen und westliche Musik enthielt. Gut jetzt muss ich es nur noch in das obere Bett schaffen-challenge accepted!

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