Freitag, 13.09.19- Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön- denn da kann man auf die Köpfe das Gepäck schnell fallen sehen!
Das zu ordern war kein Problem und mit
ca. 90.000 Dong waren wir dabei. Problemlos ging es zum Bahnhof und
durch die Absperrung, an der unsere Tickets gescannt wurden. Nur mit
dem Gleis 2 konnten wir nicht viel anfangen, denn es gab nur eins.
Entweder mussten auch wir gegen eine Wand zum Bahnsteig rennen und
hoffen, dass wir Harry-Potter-like auf der anderen Seite am richtigen
Gleis herauskamen oder... einfach der Masse folgen. Eine Dame wies
uns den Weg zum richtigen Abteil während der Zug einfuhr und wir
alle direkt über Gleis 1 drüberliefen. Ein Herr in Uniform
untersuchte unsere Tickets und wir kletterten in den nicht
rollstuhlgerechten Wagen des Zuges.

Dann kamen in kurzen Abständen Wagen
durch den Gang gefahren, die zwar keine hüpfenden Schokofrösche
oder Berty Botts Bohnen mit Ohrenschmalz anboten, mindestens aber
genauso interessant waren. Die Jungs vor uns kauften sich zwei
Packungen „Spearmint“(!!!)-Kaugummi und schenkten uns davon eine.
Das können wir als emanzipierte Damen (und wohlerzogen noch dazu!)
nicht auf uns sitzen lassen und boten ihnen Kekse an- so das nennt
man Win-Win-Win-Kuhtauschhandel und damit waren alle zufrieden. Zum
Glück blieben die Plätze hinter unseren ehemaligen Plätzen frei
und so konnte ich diese nutzen, um Fotos zu schießen, denn um uns
herum eröffnete sich das nicht zu viel versprochene Bergparadies.
Dschungel auf der einen, Meer und
Strand auf der anderen Seite. Nur die vielen Stromleitungen hingen
oft etwas ungünstig im Weg- bei deren Konstruktion wäre Benni eh
vom Stuhl gekippt. Der Zug für nicht schnell und hielt oft, aber ab
und zu fuhr ein kleine, fiese Kurven, wodurch sich mehrmals ein
Rucksack löste und den Besitzern (die Spearmintboys) auf den Kopf
fiel. Ich beobachtete meinen Rucksack unsicher, denn wenn dieser auch
runterfiel, dann würde er die Rollo-Omi platt machen und der ging es
offensichtlich schon nicht so gut. Zum Glück geschah nichts, wir
guckten rechts: „Ohhhh“ und guckten links „Ahhhh“ und aßen
Käse- und Erdnussbutterkekse. Schneller als erwartet kamen wir nach
Hue und fuhren an Gräbern, Büffeln und Reisfeldern vorbei. Leider
auch an einzelnen Müllhügeln, aber das war selbst im Hinterland so
gewesen.
Tufftuff hielt die Eisenbahn und wir
sprangen heraus, versicherten uns beim Schaffner nach der Richtigkeit
des Ortes, buchten zwei Grabbikes (Cars gab es hier nicht) und düsten
los. Mein Fahrer war sehr lustig, unterhielt sich mit mir und brachte
mich sicher ans Hostel. Eine Minute später brummte auch Leslie heran.
Aber wir hatten ja noch andere Pläne
und so machten wir uns vorbei an Fährradern und Drachenbooten (nein
danke wir gehen zu Fuß) durch einen Park (in dem es eine Art Poetry
Slam mit Singen gab) auf bis zur Zitadelle.
Die hatte nur noch eine halbe Stunde
geöffnet und die Mauern waren wirklich nicht fürs Drüberklettern
gedacht. Es gab leider keinen reduzierten Eintrittspreis, aber etwas
anderes Schönes: Wir waren ganz allein hier. Früher war das hier in
der Nguyen-Dynastie die Residenz der Kaiser und die damalige
Hauptstadt. Nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking enthält
auch diese hier einen Kaiserpalast. Erbaut um 1804 (viel später als
ich angenommen hatte), wurde sie bei der Tet-Offensive von den
US-Militär bombardiert und fast vollständig zerstört. 1993 wurde
sie zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt und seit 2015 wird sie
restauriert. Das Gelände war riesig und wir konnten nur einen
Bruchteil sehen, aber der war des Sehens würdig.
Diese gibt es von Mitte August bis Mitte
Oktober und sind ein Teil des Erntedankfestes, zu dem es auch
MoonCakes gibt (gratis gestern zu dem Kokoskaffee dazu). Wir
entschieden uns für ein einheimisch aussehendes Restaurant und
konnten von da aus ein weiteres Spektakel vor einer Karaokebar
erspähen und beim Essen beobachten. Es dauerte zwar ewig bis es
anfing, die sie davor noch einmal übten, aber das war auch gut so,
denn fast hätte der eine junge Mann den kleinen Jungen (beide
steckten in dem Löwenkostüm, was über die aufgestellten Podeste
hüpfte) fallen lassen. Scheinbar konnten Firmen etc. diese Vereine
(meist Kampfsportvereine) mieten, die dann diese Vorführungen vor
dem jeweiligen Laden etc. aufführten. Es war schon beeindruckend, am
süßesten waren zwei kleine Jungs, die sich diebisch freuten als sie
wie ein Mini-Drache in einem eigenen Kostüm durch die Gegend und
gegen die Beine der Passanten flitzen konnten.
Der Besitzer des
Restaurants bot uns an, dass wir vom 3. Stock aus alles von oben
beobachten konnten, was wir auch taten und das hat sich gelohnt.
Wir
verbrachten gefühlt eine Ewigkeit beim Zusehen und konnten uns kaum
lösen. Aber schließlich schlenderten wir zurück zum Hostel durch
die Straßen, die sich abends in eine Fußgängerzone verwandelte und
haufenweise kleine Stände, Touristen und westliche Musik enthielt.
Gut jetzt muss ich es nur noch in das obere Bett schaffen-challenge
accepted!





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