Sonntag, 15.09.19- Dort, wo das Höhlenkamel wohnt!
Heute hieß es: Nur der frühe Wurm
findet die Höhle! Leslie stand mit mir auf und hatte schon am
Vorabend für uns Bananenpfannkuchen bestellt.
Ihr Bus nach Hoi An
fuhr um 10 Uhr. Um 08.00 wurde ich abgeholt, um in einen großen Bus
zu steigen, der dann auch noch eine Zick-Zack-Tour durch die halbe
Stadt unternahm und dabei Vietnamesen, Koreaner, eine Französisin,
zwei weitere Deutsche, drei Briten und einen Herrn aus Isreal
aufnahm.
Klingt jetzt wie der Beginn eines schlechten Witzes,
allerdings war diese Mischung durchaus lustig. Unser Reiseleiter war
auch zu Scherzen aufgelegt und stellte sich als Mr. Cho vor, der von
seinen Freunden Jackie genannt wurde und einen großen Bruder hatte,
der im Filmbusiness arbeitete, aber denselben Vornamen hatte. Na, ob
Jackie Chan das auch weiß? Jedenfalls ging es noch ein wenig so
weiter und wir hielten relativ schnell an der angeblich bekanntesten
Kirche Vietnams, wo die heilige Jungfrau Maria wohl erschienen sein
soll.
Jetzt war es mehr eine Ruine, um die sich zahlreiche Gebäude
wie eine open-air-Kirche, ein kirchenähnliches Gebäude sowie ein
Hotel gruppierten. Bei der Andacht, die in der open-air-Kirche lief,
war die Aufmerksamkeit in der ersten Reihe nicht ganz so groß:
Während der eine in der ersten Reihe schlief und sich der andere die
Hand vor die Stirn schlug, krabbelte die dritte unter die Bank,
scheint spannend zu sein.
Dann sammelten wir uns wieder im Bus zur
langen Weiterfahrt und sahen auf der Fahrt Reisfelder, eindrucksvolle
Gräber, Fischteiche sowie Sanddünen vorbeiziehen, die eher an die
Landschaften in den USA oder Australien erinnerten.
Da es wirklich eine lange Fahrt war, schliefen die meisten. Ich hatte das Glück als Einzige zwei Sitze für mich allein zu haben und so hatte ich beim Schlafen mehr Platz. Allerdings nicht zwangsläufig mehr Ruhe, denn hinter mir saß ein junges, deutsches Pärchen, bei dem er scheinbar kaum zu Wort kam gemäß dem Vorurteil: ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch! Sie redete unablässig und beschwerte sich über dies und das, das Essen, die Sauberkeit, die Menschen... schön, wenn man Leute aus dem eigenen Land trifft. Ihr hätte ich jedoch geraten den nächsten Urlaub vielleicht einfach zuhause zu verbringen, wo ja alles so viel schöner war.
Schließlich sahen wir den Nationalpark
vor uns auftauchen und als wir im Zentrum des passenden Örtchens
angekommen waren, gab es eine regelrechte Diffusion von Personen aus
dem Bus nach draußen und umgekehrt. Leute mit Gepäck raus, Leute
ohne Gepäck rein, Leute mit Gepäck bleiben draußen, Leute mit
Gepäck kommen rein... bis ein neues Konzentrationsfälle erreicht
war und der Bus wieder Fahrt aufnahm. Dann hielten wir ein paar 100m
weiter an einem Restaurant und wurden (scheinbar nach
Äußerlichkeiten) an runde Tische verteilt.
Dabei landete ich mit
drei Engländern, der Französin und einem vietnamesisch-israelischem
Pärchen an einem Tisch und es gab auf Englisch dann doch eine nette
Unterhaltung. Das Essen war auch sehr gut, auch, wenn wir irgendwie
etwas Anderes hatten als an den anderen Tischen, vielleicht nahm man
an, dass westlich aussehende Menschen auch anderes asiatisches Essen
mochten.
Auch hier verloren wir einige
„Personenteilchen“, denn einige wollten sich alles auf eigene
Faust ansehen, andere in die Dark Cave (mit Zipline und Schwimmen,
eher so das Partyding) und ich blieb mit Koreanern, Vietnamesen und
dem israelisch-vietnamesischem Pärchen im Bus. Wir bekamen auch
einen neuen Guide, der uns die Paradise Cave zeigen wollte und nun im
Bus ganz aufgeregt auf und ab hüpfte, weil er meinte es fehlte noch
eine Person. Nach einer Weile bekam er heraus, dass noch ein kleines
Kind anwesend war, das einfach so klein war, dass er es hinter dem
Sitz nicht gesehen hatte. Erleichtert atmete er auf und meinte, dass
Mathe eh nie seine Stärke gewesen wäre. Er hätte auch immer
Probleme beim Einschlafen, weil er sich beim Zählen der Schafe immer
verzählte.
Sind ja alles ganz schöne Witzbolde hier. Der Herr aus
Isreal schien an der Universität in Hanoi zu unterrichten und beide
machten von nun an Witze über Mathematik-haha. Wir fuhren noch ein
ganz schönes Stück in den Park hinein und als alle ausgestiegen
waren, rannte uns der guide schon wieder entgegen, fröhlich mit
Tickets wedelnd. Da es noch einmal 15 Minuten Fußweg bis zur Höhle
gewesen wären, hatte er uns Karten besorgt, damit wir mit den
kleinen wie Golf-Cars aussehenden Fahrzeugen durch die Gegend
rauschen konnten.
Um uns herum flatterten viele Schmetterlinge, die
allerdings alle keine Lust hatten sich hinzusetzen, damit ich sie
fotografieren konnte- leichtes Hyperaktivitätssyndrom vermutlich.
Leider war der Gang zur Höhle noch mit einem Aufstieg verbunden und
wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht wirklich gern irgendwo hoch
laufe.
Egal, v.a. wollte ich gern vorn sein, um noch einen
Schmetterling zu erwischen, was noch anstrengender war. Unsere Truppe
hinterließ nicht nur eine geräuschvolle, sondern auch staubige
Atmosphäre. Leider war es mir nur vergönnt einen einzigen zu
erwischen, aber besser einer als keiner.
Ha! Doch! Da ist noch einer- schön still sitzen- ich kam mir vor wie einer dieser Comic-Forscher, die mit einem Netz hinter Schmetterlingen hinterher waren, aber jetzt waren es schon zwei! Muhahahaaaa!
Unterwegs sprach mich noch
die Mutter mit Kind auf Englisch kam. Sie stellte sich mir als Phuong
vor und war mit Mutter und Tochter auf einem Wochenendausflug, um aus
Ho Chi Minh City herauszukommen, wo sie als Ingenieurin arbeitete.
Sie lud mich auch zu sich ein, sollte ich noch nach Ho Chi Minh City
kommen. Das war lieb, aber mein nächstliegenes Ziel war es zum
Eingang der Höhle zu kommen, wo wir alle kurz verschnauften, da wir
noch auf Phuong und ihre Tochter warteten. Ich hatte schon jetzt
Respekt vor der Kleinen, die erst 5 Jahre alt war, aber scheinbar
ohne zu jammern einfach den Berg hoch marschierte.
Dann ging es in
die Höhle hinein, in der ein Kilometer von sieben für normale
Besucher mit einem Stegsystem begehbar gemacht worden war. Wollte man
weitergehen, brauchte man einen guide, eine Extratour und scheinbar
auch eine Taschenlampe sowie Badesachen. Aber mir reichte auch schon
dieser Teil der Höhle, der war auf jeden Fall beeindruckend.
Stalagmiten, Stalaktiten und kleine Wasserbecken säumten den Weg.
Natürlich durften auch lustige Namen für die einzelnen Gebilde nicht fehlen und so stellte uns der guide das berühmte „Höhlenkamel“ und den „Höhlenhasen“ vor.
Drum herum tropfte es und bildete
kleine Wasserterrassen.
Beim „End of Paradise“ wie es unser guide
lustig betitelte hätte man nun weiter in die Höhle krabbeln können,
das unterließen wir aber, auch wenn es hier schön kühl war.
Schließlich ließen wir das Höhlenkamel in seiner Dunkelheit zurück
und erklommen die zahlreichen Stufen zum Ausgang. Leider hatten wir
keine Verwandten oder Freunde von Kerstin ausmachen können, denen
war das da drin wahrscheinlich zu hell und zu wuselig.
Der
Feuerlöscher auf dem Weg nach oben sah allerdings auch nicht sehr
vertrauenswürdig aus, da würd ich auch lieber nicht einziehen.
Danach gings zum Glück bergab und wieder in den Bus.
Wir schienen
die letzten Touris gewesen zu sein, denn selbst die ganzen Stände
ließen bereits die Rollläden herunter.
Auf der Rücktour ging
wieder die Diffusion los und ich mussten meinen schönen leeren
Nachbarplatz hergeben, da ein blonder, ziemlich großer Typ fragte,
ob es mir was ausmachen würde, wenn er sich dahin setzte. Von mir
aus. Er stellte sich als Kalle aus Schweden (haha Kalle Blomquist :P) vor und kam natürlich
auch noch aus der Nähe von Vimmerby, sodass wir gleich ein Thema
hatten, über das wir uns unterhalten konnten. Tatsächlich studierte
er auch noch etwas mit Klimawandel und hatte den Luxus ein
Fernstudium nach Schweden betreiben zu können und nebenher reiste er
eben. Die Jugend von heute :D! Da er mit seinen langen Beinen auch noch
auf dem Gang saß, war es für ihn noch unbequemer als für mich in
diesem Bus Schlaf zu finden.
Wir hielten noch an einem Laden mit sehr viel Krimskrams, damit der Fahrer den Bus waschen konnte und zwei der drei Engländer erstatteten mir Bericht über die Dark Cave.
Als der
Busfahrer den Bus von außen trocken gefeudelt hatte, gings weiter.
Im Anschluss standen wir dann nach kurzer Fahrt vor der
Fußgängerpassage, da abends diese Straße gesperrt war für den
Nachtmarkt und sie uns so nicht direkt vor dem Hostel absetzen
konnten. Er fragte mich, ob ich ein gutes Restaurant empfehlen
konnte, da mir aber keins einfiel suchten wir eins. Da er Vegetarier
war (lustigerweise habe ich hier bisher schon haufenweise rauchende
Vegetarier getroffen), setzten wir uns in ein entsprechendes
Restaurant und das Essen war gar nicht schlecht.
Als wir es verlassen
wollten, rannte ein junges, westlich aussehendes Mädchen auf ihn zu und redete hektisch
auf ihn ein. Danach erzählte er mir, dass sie ihn wohl in Byron Bay
auf einem Balkon hatte Gitarre spielen sehen und ihm jetzt auf
instagramm folgte. Ähm ja klar, ist ja völlig normal. Weiterhin
erzählte er mir, dass er es vermisste Klavier zu spielen und nachdem
er sein Hostel bezogen hatte wohl mal wieder in einem Hotel
nachfragen würde, ob er dort Klavier spielen durfte. Tja manche
Menschen haben es ja mit der Musik. Er stellte mir noch eine
Freundschaftsanfrage auf facebook und meinte es wäre super gewesen
sich mit mir zu unterhalten. Klar, danke gleichfalls und ab gings ins
Hostel. Natürlich waren noch die drei Damen vom Grill anwesend und
ein weiteres Mädchen, sodass wir diese Nacht quasi einen
Frauenschlafsaal hatten. Na dann gute Nacht!







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