Donnerstag, 19. September 2019

Sonntag, 15.09.19- Dort, wo das Höhlenkamel wohnt!

 

Heute hieß es: Nur der frühe Wurm findet die Höhle! Leslie stand mit mir auf und hatte schon am Vorabend für uns Bananenpfannkuchen bestellt.
Ihr Bus nach Hoi An fuhr um 10 Uhr. Um 08.00 wurde ich abgeholt, um in einen großen Bus zu steigen, der dann auch noch eine Zick-Zack-Tour durch die halbe Stadt unternahm und dabei Vietnamesen, Koreaner, eine Französisin, zwei weitere Deutsche, drei Briten und einen Herrn aus Isreal aufnahm.
Klingt jetzt wie der Beginn eines schlechten Witzes, allerdings war diese Mischung durchaus lustig. Unser Reiseleiter war auch zu Scherzen aufgelegt und stellte sich als Mr. Cho vor, der von seinen Freunden Jackie genannt wurde und einen großen Bruder hatte, der im Filmbusiness arbeitete, aber denselben Vornamen hatte. Na, ob Jackie Chan das auch weiß? Jedenfalls ging es noch ein wenig so weiter und wir hielten relativ schnell an der angeblich bekanntesten Kirche Vietnams, wo die heilige Jungfrau Maria wohl erschienen sein soll.
Jetzt war es mehr eine Ruine, um die sich zahlreiche Gebäude wie eine open-air-Kirche, ein kirchenähnliches Gebäude sowie ein Hotel gruppierten. Bei der Andacht, die in der open-air-Kirche lief, war die Aufmerksamkeit in der ersten Reihe nicht ganz so groß: Während der eine in der ersten Reihe schlief und sich der andere die Hand vor die Stirn schlug, krabbelte die dritte unter die Bank, scheint spannend zu sein.



Dann sammelten wir uns wieder im Bus zur langen Weiterfahrt und sahen auf der Fahrt Reisfelder, eindrucksvolle Gräber, Fischteiche sowie Sanddünen vorbeiziehen, die eher an die Landschaften in den USA oder Australien erinnerten.



Da es wirklich eine lange Fahrt war, schliefen die meisten. Ich hatte das Glück als Einzige zwei Sitze für mich allein zu haben und so hatte ich beim Schlafen mehr Platz. Allerdings nicht zwangsläufig mehr Ruhe, denn hinter mir saß ein junges, deutsches Pärchen, bei dem er scheinbar kaum zu Wort kam gemäß dem Vorurteil: ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch! Sie redete unablässig und beschwerte sich über dies und das, das Essen, die Sauberkeit, die Menschen... schön, wenn man Leute aus dem eigenen Land trifft. Ihr hätte ich jedoch geraten den nächsten Urlaub vielleicht einfach zuhause zu verbringen, wo ja alles so viel schöner war.



Schließlich sahen wir den Nationalpark vor uns auftauchen und als wir im Zentrum des passenden Örtchens angekommen waren, gab es eine regelrechte Diffusion von Personen aus dem Bus nach draußen und umgekehrt. Leute mit Gepäck raus, Leute ohne Gepäck rein, Leute mit Gepäck bleiben draußen, Leute mit Gepäck kommen rein... bis ein neues Konzentrationsfälle erreicht war und der Bus wieder Fahrt aufnahm. Dann hielten wir ein paar 100m weiter an einem Restaurant und wurden (scheinbar nach Äußerlichkeiten) an runde Tische verteilt.
Dabei landete ich mit drei Engländern, der Französin und einem vietnamesisch-israelischem Pärchen an einem Tisch und es gab auf Englisch dann doch eine nette Unterhaltung. Das Essen war auch sehr gut, auch, wenn wir irgendwie etwas Anderes hatten als an den anderen Tischen, vielleicht nahm man an, dass westlich aussehende Menschen auch anderes asiatisches Essen mochten.
Auch hier verloren wir einige „Personenteilchen“, denn einige wollten sich alles auf eigene Faust ansehen, andere in die Dark Cave (mit Zipline und Schwimmen, eher so das Partyding) und ich blieb mit Koreanern, Vietnamesen und dem israelisch-vietnamesischem Pärchen im Bus. Wir bekamen auch einen neuen Guide, der uns die Paradise Cave zeigen wollte und nun im Bus ganz aufgeregt auf und ab hüpfte, weil er meinte es fehlte noch eine Person. Nach einer Weile bekam er heraus, dass noch ein kleines Kind anwesend war, das einfach so klein war, dass er es hinter dem Sitz nicht gesehen hatte. Erleichtert atmete er auf und meinte, dass Mathe eh nie seine Stärke gewesen wäre. Er hätte auch immer Probleme beim Einschlafen, weil er sich beim Zählen der Schafe immer verzählte.






Sind ja alles ganz schöne Witzbolde hier. Der Herr aus Isreal schien an der Universität in Hanoi zu unterrichten und beide machten von nun an Witze über Mathematik-haha. Wir fuhren noch ein ganz schönes Stück in den Park hinein und als alle ausgestiegen waren, rannte uns der guide schon wieder entgegen, fröhlich mit Tickets wedelnd. Da es noch einmal 15 Minuten Fußweg bis zur Höhle gewesen wären, hatte er uns Karten besorgt, damit wir mit den kleinen wie Golf-Cars aussehenden Fahrzeugen durch die Gegend rauschen konnten.


Um uns herum flatterten viele Schmetterlinge, die allerdings alle keine Lust hatten sich hinzusetzen, damit ich sie fotografieren konnte- leichtes Hyperaktivitätssyndrom vermutlich. Leider war der Gang zur Höhle noch mit einem Aufstieg verbunden und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht wirklich gern irgendwo hoch laufe.
Egal, v.a. wollte ich gern vorn sein, um noch einen Schmetterling zu erwischen, was noch anstrengender war. Unsere Truppe hinterließ nicht nur eine geräuschvolle, sondern auch staubige Atmosphäre. Leider war es mir nur vergönnt einen einzigen zu erwischen, aber besser einer als keiner.
Ha! Doch! Da ist noch einer- schön still sitzen- ich kam mir vor wie einer dieser Comic-Forscher, die mit einem Netz hinter Schmetterlingen hinterher waren, aber jetzt waren es schon zwei! Muhahahaaaa!
Unterwegs sprach mich noch die Mutter mit Kind auf Englisch kam. Sie stellte sich mir als Phuong vor und war mit Mutter und Tochter auf einem Wochenendausflug, um aus Ho Chi Minh City herauszukommen, wo sie als Ingenieurin arbeitete. Sie lud mich auch zu sich ein, sollte ich noch nach Ho Chi Minh City kommen. Das war lieb, aber mein nächstliegenes Ziel war es zum Eingang der Höhle zu kommen, wo wir alle kurz verschnauften, da wir noch auf Phuong und ihre Tochter warteten. Ich hatte schon jetzt Respekt vor der Kleinen, die erst 5 Jahre alt war, aber scheinbar ohne zu jammern einfach den Berg hoch marschierte.

Dann ging es in die Höhle hinein, in der ein Kilometer von sieben für normale Besucher mit einem Stegsystem begehbar gemacht worden war. Wollte man weitergehen, brauchte man einen guide, eine Extratour und scheinbar auch eine Taschenlampe sowie Badesachen. Aber mir reichte auch schon dieser Teil der Höhle, der war auf jeden Fall beeindruckend.

Stalagmiten, Stalaktiten und kleine Wasserbecken säumten den Weg.





Natürlich durften auch lustige Namen für die einzelnen Gebilde nicht fehlen und so stellte uns der guide das berühmte „Höhlenkamel“ und den „Höhlenhasen“ vor.

Drum herum tropfte es und bildete kleine Wasserterrassen.














Beim „End of Paradise“ wie es unser guide lustig betitelte hätte man nun weiter in die Höhle krabbeln können, das unterließen wir aber, auch wenn es hier schön kühl war. Schließlich ließen wir das Höhlenkamel in seiner Dunkelheit zurück und erklommen die zahlreichen Stufen zum Ausgang. Leider hatten wir keine Verwandten oder Freunde von Kerstin ausmachen können, denen war das da drin wahrscheinlich zu hell und zu wuselig.
Der Feuerlöscher auf dem Weg nach oben sah allerdings auch nicht sehr vertrauenswürdig aus, da würd ich auch lieber nicht einziehen.
Danach gings zum Glück bergab und wieder in den Bus.
Wir schienen die letzten Touris gewesen zu sein, denn selbst die ganzen Stände ließen bereits die Rollläden herunter.

Auf der Rücktour ging wieder die Diffusion los und ich mussten meinen schönen leeren Nachbarplatz hergeben, da ein blonder, ziemlich großer Typ fragte, ob es mir was ausmachen würde, wenn er sich dahin setzte. Von mir aus. Er stellte sich als Kalle aus Schweden (haha Kalle Blomquist :P) vor und kam natürlich auch noch aus der Nähe von Vimmerby, sodass wir gleich ein Thema hatten, über das wir uns unterhalten konnten. Tatsächlich studierte er auch noch etwas mit Klimawandel und hatte den Luxus ein Fernstudium nach Schweden betreiben zu können und nebenher reiste er eben. Die Jugend von heute :D! Da er mit seinen langen Beinen auch noch auf dem Gang saß, war es für ihn noch unbequemer als für mich in diesem Bus Schlaf zu finden.



Wir hielten noch an einem Laden mit sehr viel Krimskrams, damit der Fahrer den Bus waschen konnte und zwei der drei Engländer erstatteten mir Bericht über die Dark Cave.


Als der Busfahrer den Bus von außen trocken gefeudelt hatte, gings weiter. Im Anschluss standen wir dann nach kurzer Fahrt vor der Fußgängerpassage, da abends diese Straße gesperrt war für den Nachtmarkt und sie uns so nicht direkt vor dem Hostel absetzen konnten. Er fragte mich, ob ich ein gutes Restaurant empfehlen konnte, da mir aber keins einfiel suchten wir eins. Da er Vegetarier war (lustigerweise habe ich hier bisher schon haufenweise rauchende Vegetarier getroffen), setzten wir uns in ein entsprechendes Restaurant und das Essen war gar nicht schlecht.

Als wir es verlassen wollten, rannte ein junges, westlich aussehendes Mädchen auf ihn zu und redete hektisch auf ihn ein. Danach erzählte er mir, dass sie ihn wohl in Byron Bay auf einem Balkon hatte Gitarre spielen sehen und ihm jetzt auf instagramm folgte. Ähm ja klar, ist ja völlig normal. Weiterhin erzählte er mir, dass er es vermisste Klavier zu spielen und nachdem er sein Hostel bezogen hatte wohl mal wieder in einem Hotel nachfragen würde, ob er dort Klavier spielen durfte. Tja manche Menschen haben es ja mit der Musik. Er stellte mir noch eine Freundschaftsanfrage auf facebook und meinte es wäre super gewesen sich mit mir zu unterhalten. Klar, danke gleichfalls und ab gings ins Hostel. Natürlich waren noch die drei Damen vom Grill anwesend und ein weiteres Mädchen, sodass wir diese Nacht quasi einen Frauenschlafsaal hatten. Na dann gute Nacht!

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