Montag, 09.09.19/Dienstag 10.10.19- Up in the air
Es regnet, es regnet...die Erde wird
nass... und mit ihr auch der allmorgendliche Stau in die Berliner
Innenstadt, den wir durch die geänderte Flugzeit leider nicht
umgehen konnten. In weiser Voraussicht waren wir schon um 6 Uhr
losgefahren und hatten somit keinen Stress. Der Regen machte den
grauen Eingang zur Hauptstadt leider auch nicht schöner, allerdings
war er doch sehr notwendig, da wir unterwegs an zahlreichen
vertrockneten Maisfeldern und dahinsterbenden Linden vorbei gefahren
waren.
Als mein Papa mich abgesetzt und mit
weiteren weisen und sinnvollen Hinweisen versorgt hatte (Mama war
zuhause geblieben, einer musste ja arbeiten :D, sie hatte ja schon
die ganze Vorbereitung mitgemacht), suchte ich am Terminal B des
Tegeler Flughafens nach dem „Fast Baggage Drop“.
Der war auch schnell gefunden,
stolperte man doch fast direkt hinter der Tür darüber. Meine
verfrühte Freude zunächst an der kurzen Schlange
und somit an den
genervten Leuten aus der langen Schlange vorbeihuschen zu wollen,
löste sich bald wieder auf, denn die sorgfältig vorher
eingecheckten und ausgedruckten Boardkarten wollten nicht so recht
mit der Technik kooperieren. Die Lufthansa-Dame, die leidlich
Englisch sprach und einem eigentlich nur zeigte an welcher Maschine
man völlig ohne Personal seinen Koffer aufgeben konnte, war leicht
überfordert mit der Situation. Aber ich durfte mich an der kurzen
Schlange mit ebenso technikentgeisterten Mitreisenden anstellen. Eine
ältere Dame aus der restlichen Reihe war darüber „not amused“,
weil sie ja schon 45 Minuten hier anstand. Ich ließ sie vor, da sie
ja nicht mehr so viel Zeit hatte... also um ihren Flug zu kriegen.
Der junge Herr hinter dem Schalter blieb gelassen, auch als die
Maschinen einweisende Dame mit großen Augen und einem Fingerzeig
fragt, ob diese meterlang anstehenden Leute alle noch zu ihm und
seinem Kollegen wollten. Eine andere Dame wies darauf hin, dass die
Lufthansa mehr Personal bräuchte und eine große asiatische
Reisegruppe konnte sich nicht entscheiden, ob sie nun in der Reihe
stehen wollte oder nicht, was auch nicht half alles schneller zu
bearbeiten. Der junge Mann grinste und meinte „Alltag“. Mein
Rucksack wurde gut verpackt (hoffentlich sah ich ihn nicht zum
letzten Mal) und bis DaNang durchgecheckt. Beinahe jeder
Check-in-Mitarbeiter auf der Tour sollte mich während der Reise
einmal fragen was denn „DAD“ sein und wo das liege. Aber da schon
mehrere Leute dort gewesen waren und der Ort auch im Lonely Planet
stand, wusste ich: Es musste ihn geben!
Ab zum Gate A03, das war in Tegel zum
Glück ein kurzer Weg, vorbei an schwitzenden Business-Cards
schwenkenden Männern im Anzug, die es sehr eilig hatten und den
Eingang zum Gate nicht fanden.
Ab durchs Handgepäck und vorbei an der
Säule mit den Steckdosen und USB-Ports, um die sich die Jugendlichen
sammelten wie Motten um das Licht.Weiterhin gab es neben einer
regnerischen Aussicht auch ausreichend Material für einen
Zeitungstanz bei dem alle mitmachen konnten.
Im Flugzeug gab es eine Duplovariante
von Kinderbueno, einen Fensterplatz und ein Getränk und up ging es
in the air.
ei einer großen Filmauswahl (bei der
allerdings leider nur die Filme auf Deutsch waren, die ich schon
kannte) und ein wenig Schmökern im Reiseführer fielen mir bald auch
die Augen zu. Es war aber nicht so einfach zu schlafen, auch, wenn
sie irgendwann den Innenraum verdunkelten und das Personal so leise
vorbeihuschte, was man eigentlich nur am einheitlich Parfumduft
merkte, unterhielten sich viele nicht allzu leise. Ein junger Typ auf
der anderen Seite des Ganges in meiner Reihe hörte den Film so laut,
dass ich den kompletten Text deutlich verstehen konnte. Dazu kamen
noch die leuchtenden Bildschirme, schnarchende Menschen, die sicher
auch nur versuchten die wilden Tiere zu vertreiben und die
freundlichen Stewards/essen, die sehr oft Getränke gebrachten. Nach
einer doch leicht schlaflosen Nacht gab es britisches Frühstück,
was an sich schon Geschmackssache ist, aber in Kombination mit den
kleinen Turbulenzen und dem Gewackel des Flugzeuges doch nicht so
ganz einladend war.
In Bangkok angekommen (hier war es 7
Uhr, deutsche Zeit 02:00 Uhr), gab es einen lustigen
Informationsschalter, der einem das Ticket scannte und den Weg zum
Gate ausdruckte, natürlich immer unter dem Vorbehalt, dass man nicht
doch noch einen Sprint zu einem anderen Gate hinlegen musste.
Ich
fuhr ein wenig Roll-Laufband und fragte mich die ganze Zeit wie die
Leute in das Gate hineinkamen, noch dazu gab es einen zweiten Stock,
zu dem ich irgendwie keinen Zutritt fand (ich kam mir wirklich schon
ein wenig vor wie Tom Hanks auf dem Flughafen). Also doch noch einmal
zurückrolllaufbanden und die netten Frauen am Service Point fragen.
Ich musste noch ein wenig mehr Roll-Laufband fahren, da es noch
weiter nach hinten ging. Als ich das tat, öffnete sich tatsächlich
für mich der Zugang zum Check-in und ich wurde in den 2. Stock
„upgegradet“. Hier wurde noch einmal das Handgepäck
durchleuchtet und ich ebenso im Ganzkörperscanner, damit ich ja
keine Geckos in der Unterhose nach Vietnam schmuggelte. Außerdem
bestanden sie darauf, dass ich meine Käsefüße aus den Schuhen
holte- bitte, wenn sie meinen. Am Gate angekommen wurde mir gesagt,
dass ich in der Bangkok Airway Lodge Platz nehmen sollte, dort gäbe
es Kaffee und WIFI. Da ich diese aber nicht fand und nicht zu weit
weg gehen wollte, blieb ich einfach da hocken und schrieb am Blog bis
der Akku vom Laptop alle war und das Boarding aufgerufen wurde.
In der Schlange vor mir stand eine
Deutsche, die leider kein Wort Englisch sprach, auch, wenn die
vietnamesische Stewardess sich alle Mühe gab es mehrmals auf
Englisch zu wiederholen, reagierte die Dame laut mit „Ich verstehe
Sie nicht!“, warum glauben Menschen, dass eine Person, die nicht
derselben Sprache mächtig ist einen versteht, wenn man einfach
konsequent lauter redet. Ich übersetzte von a nach b und durfte dann
problemlos mit einchecken. Das Flugzeug war übersichtlich besetzt
und auch nicht vom Allerfeinsten, aber das Personal war nett und man
hatte mehr Beinfreiheit als im thailändischen Doppeldecker. Solange
es fliegen konnte und ich ankam, war mit das egal. Ich musste ein
asiatisches Pärchen aufschrecken, um ans Fenster zu kommen. Aber
anstatt genervt zu sein, boten sie mir die lustigen litschiartigen
Kugelfrüchte an. Erst schwante mir Übles als die junge Frau eine
Kotztüte entkorkte, also den oberen Teil abriss, um sie
einsatzfertig zu macchen, aber es stellte sich heraus, dass sie sie
nur als Mülltüte für die Schale verwenden wollte.
Als sie merkten,
dass vor uns niemand sitzen würde, tauschten sie den Platz um mir
mehr „space“ zu lassen. Nehm ich alles. Jetzt musste nur noch die
Familie hinter mir (sie unterhielten sich auf Französisch, hatten
aber einen starken anderweitigen Akzent) aufhören die Unterhaltung
lautstärketechnisch so zu gestalten, als würden sie über ein
Fußballfeld hinweg kommunizieren.
Zum Essen gab es „Shrimps mit Reis“
:D, es waren ihrer drei, aber sie bargen doch einiges an Schärfe in
sich.
Den restlichen Flug verschlief ich und erwachte erst wieder als
wir zur Landung über DaNang ansetzten. Der Pilot persönlich
verabschiedete sich von uns und wir sockten zur Einreise. Dort traf
ich die Dame wieder, die sich als eine Iris entpuppte und wir standen
gemeinsam an. Währenddessen erfuhr ich, dass sie ihren Sohn
besuchte, der als Koch um die Welt reiste, es hier sehr
unübersichtlich fand und meinte in Deutschland lassen die ja
wirklich jeden rein. Erstaunlich, dass man sich im Ausland mit
Menschen unterhält, mit denen man in Deutschland kein Gespräch
führen würde, nur weil man dieselbe Sprache spricht. Die Dame am
Schalter konnte da nicht so wählerisch sein, sie nickte kurz und
stempelte eifrig vor sich hin. Wir hinderten unser Gepäck daran
weitere Runden auf dem Gepäckband zu drehen und danach wohlmöglich
vor Übelkeit noch die Socken auszukotzen.
Leider gab es keinen Geldautomaten in
der kleinen Flughafen, aber meine (nicht vorhandene) Handysammlung
hätte ich problemlos mit Simkarten ausstaffieren können. Draußen
warteten tatsächlich zwei junge Mädchen mit einem gedruckten
A4-Blatt, auf dem mein Name stand. Die beiden waren sehr freundlich
und kurz überfordert als ich ihnen die Hand geben wollte, tja diese
Gewohnheit. Sie riefen das Auto, das mich abholen sollte, selbst
wollten sie mit dem Roller fahren.Beim weiteren Gespräch stellte
sich heraus, dass die beiden zum Personal gehörten, obwohl sie
aussahen wie 15. Aber das täuscht bestimmt. Ich winkte Iris und
ihrem Sohn, die ebenfalls auf einen fahrbaren Untersatz warteten.
Als mich die beiden Mädels und der
Fahrer hilfsbereit im Auto verstaut hatten, gings los durchs
vietnamesische Getümmel. Wie in anderen Teilen Asiens gab es hier
keine Verkehrsregeln, eher so Richtlinien, wobei... eigentlich gibt
es ja nur den einen Grundsatz: Wer bremst verliert! Das funktionierte
trotzdem erstaunlich gut. Es war zwar nicht wirklich ein
Reißverschlusssystem, aber, wer zu nett war, der konnte auf der
einen Straßenseite warten bis der sprichwörtliche Sack Reis umfiel.
Das Hostel war etwas unscheinbar, deswegen fanden wir es nicht
gleich, aber sauber und die Leute sehr freundlich. Der
6-Betten-Damenschlafsaal war super sauber. Es gab ein hübsches Bad
und einen Schließfachraum.
Jedes Bett war mit einem Vorhang umgeben
und es gab Klimaanlage und einen Ventilator- wer kann, der hat.
Außerdem waren Essen, Getränke, Gepäck und Schuhe im Raum
verboten. Aber wir hätten bestimmt ein Haustier mitbringen können,
das stand nicht auf der Liste. Allerdings war das auch hauptsächlich
dafür gedacht, um die nicht erwünschten Haustiere wie meine
fühlertragenden Freunde und die netten Nager aus „Ratatouille“
fernzuhalten.
Eigentlich war mein Plan nach meiner
Dusche nach einem Geldautomaten zu suchen, aber da kam gerade eine
neue Mitschnarcherin an. Sie stellte sich als Misaki vor.
Ursprünglich aus Japan stammend, hatte sie zwei Jahre in Australien
gelebt und reiste nun über alle möglichen asiatischen Länder nach
Japan zurück.
Wir unterhielten uns sehr gut und beschlossen zusammen
nach dem Automaten, dann nach einem Supermarkt und dann nach dem
Strand zu suchen. Zwar meinte die Hostelangestellte der ATM sei ab
und zu „out of cash“, weil es hier viele Touristen gab, aber ich
hatte Glück und er spendierte mir das Höchste, was er an Summe zu
bieten hatte: 2.000.000 Dong. Jetzt kanns losgehen.Erst einmal etwas essen, wir nahmen die empfohlenen typischen Nudelgerichte, der Besitzer war etwas wortkarg. Nicht nur im Englischen, sondern auch in seiner eigenen Sprache. Es war doch lecker, jedoch rührten wir den mysteriösen Salat im Brotkorb nicht an.
Zum Strand war es wirklich nicht weit
und mit Wasserflaschen in den Händen machten wir uns auf zum Meer,
denn was will man oder auch frau mehr.
Der Strand war wirklich schön
und riesig, es gab verschiedenste Arten von Musik, die ab und zu ein
wenig gegeneinander arbeiteten und abgetrennte Bereiche, in denen
Rettungsschwimmer aufpassten, dass niemand Nemo und Dori Gesellschaft
leistete. Wir setzten uns in die Nähe und beobachteten die Kinder
wie sie sich im Sand panierten und verzweifelt aussehende Mütter
versuchten sie zu entsanden bevor sie die Kruste eines Fischstäbchens
hatten.
Der Blick war super und wurde nur ab
und an von ein paar JetSkis getrübt.
Wir unterhielten uns bis drum herum die Dunkelheit einbrach und der Strand Stück für Stück erleuchtet wurde durch die vielen Bars und blinkenden Hotels.
Dann
stapften wir zurück und versuchten eine SIM-Card für mich zu
erstehen.
Das war zwar eine kleine Wanderung und
die völlig gelangweilten Mitarbeiter des Handyshops, die zuvor
beinahe mit dem Ellbogen von der Tischkante gerutscht waren, rannten
fast gleichzeitig zur Tür, um sie uns zu öffnen. Ich erstand für
einen Monat (weniger ging nicht) eine 4G-Karte und zahlte dafür 5€
inklusive Simkarte. Wahrscheinlich war das noch teuer, aber als es
eingerichtet war funktionierte es und mehr wollte ich ja nicht. Auf
dem Rückweg schmulte Misaki mehrmals in Richtung Seafood-Grill,
sodass wir beschlossen dort etwas einzunehmen.Die Kellnerin war sehr
jung und sehr ungeduldig, was auch an den Bier trinkenden
Männerrunden liegen konnte. Wir entschieden uns für eine
Muschelart, Misaki kannte sich mit Seafood aus. Als der junge
Grillmeister den Teller noch einmal in Richtung Küche trug,
immitierte er unfreiwillig eine Figur aus „Holiday on Ice“ und
schlitterte einen Moment, wobei eine Muschel zu Boden fiel. Als sie
uns den Teller brachten waren wir nicht ganz sicher, ob sie die nicht
einfach wieder raufgelegt und einfach ein bisschen mehr Soße
draufgetan hatten.
Die Kellnerin machte einen noch nervöseren Eindruck als wir versuchten ihr via Googletranslator mitteilten (auch sie sprach ihre Muttersprache ausgzeichnet, allerdings kein Wort Englisch), dass wir uns nicht ganz sicher waren, ob sie die Muschel ersetzt hatten, wir hatten es ja nicht gesehen. Aber als dann der Grillmeister kam und (auch via Googletranslator) die Hände erhob und fast vor uns auf die Knie ging, um sich zu entschuldigen und dass die Muschel wirklich eine neue vom Grill sei, dachten wir: Ach komm was solls, das passiert mal. Wir bekamen einen Preisnachlass von 10% und es knirschte kein bisschen, sondern war wirklich lecker.
Misaki aber wusste schon vorher: Das
Essen reicht ihr nicht. So hielten wir an einem vietnamesischen
kleinen Pancake-Wagen und bestellten je einen. Allerdings hatten sie
die Rote-Bohnen-Paste nicht mehr die ich wollte, gut dann Schokolade.
Die hatten sie auch nicht mehr. Gut, dann Pudding. Ach ja der war
gerade alle geworden. Dann halt Kokos, achso nee, das hätten sie
ausgerechnet heute nicht. Da ich mich aber weder für Käse noch
einen der zwei anderen mir nicht bekannten salzigen Zutaten erwärmen
konnte, teilte ich mir mit Misaki ihren. Wir stapften zum Hostel
zurück, wo uns der Nachtwächter mit den schlafenden Hunden empfing
und fielen sehr müde ins Bett. Ich war schon beinahe bei den
Muscheln eingenickt und konnte nun nach über 24 h und wenig Schlaf
endlich wieder ins Bett.




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