Donnerstag, 19. September 2019

Samstag, 14.09.19- Ein getrenntes Land, zwei Brückenfarben und kilometerlange Tunnel!


Heute sollte es zur DMZ (Demilitarized Zone) gehen, zum Frühstück gab es dazu (weil sie keine Marmelade hatten) stattdessen eine Omlette mit Tomaten, auch gut. Obwohl wir uns nicht für den Bananen-Pancake entscheiden konnten (das hätte zu lange gedauert?!), waren wir damit zufrieden. Allerdings war der ganze Stress umsonst, da der Bus Verspätung hatte. Natürlich waren wir fünf (die drei deutschen Mädels aus dem Zimmer waren auch dabei) nicht die einzigen,die an der Tour teilnahmen. Deswegen kurvte der Bus noch ein wenig durch die Gegend und sammelte Leute ein, dabei eine Polin, eine weitere Deutsche, vier Russen, ein Niederländer (obwohl, der saß schon vor uns in dem Bus) und einen Argentinier, der irgendwie mit dem Niederländer zusammenreiste. Der Argentinier hatte nun das unglaubliche Glück neben der einen Deutschen aus unserem Zimmer zu sitzen. Er begann ein Gespräch (nichts Böses ahnend) und wurde sie seitdem nicht mehr los. Da sie ein wenig Spanisch sprach und wohl selbst auch schon in Argentinien gewesen war, zeigte sie ihm scheinbar alle ihre Bilder und redete dabei ohne Punkt und Komma. Er hingegen wurde immer einsilbiger. Nachdem wir eine Weile gefahren waren und man draußen die interessantesten bepackten Roller beobachten konnte, hielten wir an und sammelten eine zierliche Frau mit Hocker, Hut und einem ernsten Gesichtsausdruck auf.

Sie erklärte uns danach in einem langsamen, deutlichem Englisch, dass sie unser guide wäre und begann nach einer kurzen Restaurantpause dann gleich mit einigen Fakten über den Vietnamkrieg. In der Restaurantpause lernte ich Olga aus Birmingham (ursprünglich kam sie aus Polen) und eine Frau aus Rostock kennen, die zuvor in der Nachhaltigkeitsforschung gearbeitet, nun aber ihren Job und Wohnung gekündigt hatte und mit ihrem Mann auf dem Weg zu ihrer Schwester war. Diese lebte in Sydney und die zwei wollten den Weg hin und zurück ohne Flugzeug bewältigen. Respekt!

Zurück im Bus fuhren wir fort zu fahren. Vorbei ging es wieder an vollbepackten Fahrrädern und Rollern, Räucherstäbchen in Bündeln sowie an Planen, auf denen (vermutlich Bio) Reis trocknete.







Wir hielten erst an einem Berg, von dem aus damals die Amerikaner wohl sendeten (ein Fahnenmast stand noch zum Gedenken an der Stelle) und dann an einer Brücke an, die historisch gesehen wichtig war, da sie über den Fluss führte, über den der meiste Austausch an Lebensmitteln und sonstigen Dingen zwischen Norden und Süden erfolgte.






An einigen Reisfeldern vorbei, das Mädel hinter uns redete immernoch auf den armen Argentinier ein. Wir wurden gleich einer asiatischen Reisegruppe dann für einen Fotostop in einem Minderheiten-Dorf aus dem Bus herausgelassen, in dem („Hört!Hört!“) es immerhin Wlan gibt, irgendwo im Nirgendwo.





Dann ging es ein Stück in die andere Richtung, vorbei an Kaffeesträuchern und Pfefferpflanzen, zu einer ehemaligen Airbase, auf der noch alte Panzer, Flugzeuge und Bomben zu sehen waren.



Die Amerikaner haben allein im Umkreis auf die Dörfer 20.000 Tonnen Bomben fallen lassen. Jedoch gilt die Airbase als sicher, wohingegen in manchen Gebieten jedes Jahr noch Vietnamesen verletzte werden oder sogar umkommen, weil es immernoch nicht gelungen ist alles aus dem Boden zu holen. Einige unserer russischen Mitfahrer kletterten auf dem Panzer herum, was ich als etwas geschmacklos empfand und wer weiß wie sehr die schon durchgerostet waren.







Nach dem Museum und ein paar angedeuteten Gräben, versuchte ich mich an der Fotografie eines Schmetterlings. Da der aber nicht still halten wollte, suchte ich mir einen Vogel, den ich auch erwischte.
Eine ältere Dame bot uns alte, rostige Feuerzeuge und Patronenhülsen als Souvenire an. Ich hoffe, dass das Imitate sind, denn anderweitig gehören diese Dinge ins Museum. Wieder rein in den Bus und wieder zurück (der Niederländer neben uns beschwerte sich, dass es das ja wohl nicht wert gewesen sei diese eine Stunde hierher zu gurken) und vorbei an dem Grenzfluss, der Nordvietnam (blau) von Südvietnam (grün) getrennt hatte und wo beide Parteien damals Propaganda-Lautsprecher aufgestellt hatten.




Schließlich kamen wir zu den Vinh-Moc-Tunneln. Hier gab es etwas irritierte Frauen mit Souvenirständen, die mit Touristen in der Regenzeit wohl nicht gerechnet hatten. Jedenfalls sprangen sie sehr verzögert auf, um Eis, Getränke und gruselig bunte T-Shirts an den Touristen zu bringen. Nun hieß es: Folgen Sie dem Bambuspfad und dem Regenschirm.



Wir bekamen nach einem kurzen Abstecher in das Museum eine andere Frau als Tunnelguide, weil unsere schneinbar Platzangst hatte.


Diese führte uns durch verschiedene Tunnel (insgesamt war das Netz 2,8 km lang), in denen es selbst für mich irgendwann doch ziemlich beengt wurde, v.a. wenn hinter einem und vor einem noch jemand lief. Zwei Jahre dauerte der Bau und sechs Jahre haben die Menschen hier unten gelebt, dabei wurden in der Zeit 17 Kinder geboren, 16 davon überlebten.






Es gab insgesamt drei Stockwerke, in denen sich u.a. Wohnbereiche (also kleine Nebenhöhlen), Krankenhäuser, eine Gebärstation, Aufenthaltsräume und ein Theater befanden. Da ich nicht zum Maulwurf geboren wurde, war ich ganz froh irgendwann wieder Licht sehen zu können. Nachts kamen die Menschen heraus, um zu fischen, Landwirtschaft zu betreiben oder über das Meer Schmuggelware zu erhalten.







Kann man sich alles gar nicht vorstellen, müssen sehr zähe Menschen gewesen sein. Im Bus auf dem Weg zum Soldatenfriedhof erzählte uns nun wieder unsere vorherige Frau, dass sie selbst Familie auf beiden Seiten gehabt hatte und dass die Vietnamesen den Amerikanern (und scheinbar auch den anderen Ländern, die die USA damals unterstützt hatten wie Australien, Korea etc.) verziehen hätten, wobei sie meinte, dass verzeihen aber nicht vergessen bedeutet.

Auf dem Friedhof lagen wohl 2000 der mehreren Millionen toten Vietnamesen, denn wie so oft hatte es bei dem Krieg auch überwiegend Opfer in der Zivilbevölkerung gegeben.
Hier gab es Kinder, die nur ein Jahr alt geworden waren sowie 20-Jährige Soldaten und sehr viele Grabsteine mit „unbekannt“.






Die nachdenkliche Stille im Bus wurde am Anfang noch mit Fragen an unseren Guide unterbrochen und ging, nachdem sie ausgestiegen war, langsam ins Schnarche über, denn, obwohl wir die meiste Zeit im Bus verbracht hatten, hatte uns dieser Tag sowohl emotional als auch körperlich durchaus beansprucht. Zum Glück war der Argentinier eingeschlafen, vielleicht tat er auch nur so, aber die Deutsche saß wach da und fand niemanden zum Reden. Den Abend verbrachten wir zu dritt (mit Olga), zunächst auf dem Obstmarkt (auf dem es gar nicht so einfach war zu verhandeln, schließlich bekamen wir zwei Drachenfrüchte für einen guten Preis) und dann in der Fußgängerpassage.









Dort probierten wir die Spießchen aus (es gab bis auf die süßen Varianten kaum etwas ohne Fleisch), ließen uns ein Eis zurecht hacken, gingen in den vietnamesischen Harry-Potter-Laden und wurden mehrmals von Studenten der Universität auf Englisch interviewt. Dabei gab es meist ein bis zwei, die sich trauten und der Rest versteckte sich kichernd hinter der kleinen Lehrerin. Es gab auch Schülergruppen, die sogar mit entsprechenden T-Shirts ausstaffiert wurden.
Nach all der Fragerei fielen wir schnell ins Bett, das zum Glück oberhalb der Erde liegt und nicht in einer kleinen Höhle, dafür bin ich sehr dankbar.

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