Montag, 30. September 2019

Samstag 28.09.19- Kleidertausch

„Wir renovieren für Sie“ - die Geschichte aus der Kleiderkammer ist in Arbeit.


Heute hieß es mal wieder früh aufstehen und zwar sehr früh und das für – wie Hannes früher gesagt hätte- für ein paar Pötte. Aber nein, das waren schon ganz besondere Pötte, denn das war das National Museum of Arts. Da Sara und Philipp wieder Termine hatten, hatte Sara Freunde/Verwandte beauftragt uns den Tag über zu begleiten. Zunächst versuchten wir es per Bus. Als aber der zweite volle Bus an uns vorbeifuhr (obwohl der erste Busfahrer meinte er würde Bescheid geben und einen weiteren ordern), organisierten wir Uber und der Freund der einen fuhr ebenfalls mit dem eigenen Auto. Im Museum angekommen (es war perfektes Museumswetter, denn es goss wie aus Eimern) bekamen wir eine englische Führung (Oma und Opa entschieden sich ihren eigenen Weg zu gehen) in einer Gruppe-auch, wenn wir dafür ein wenig warten mussten. Der nette englische Guide machte seine Sache gut und führte uns zu Beginn der einstündigen Führung zu den antiken Objekten aus Bronze. Zu jedem der Stücke erzählte er spannende Details und dies ausführlich, seeeeeehhhr ausführlich... sodass nach vier Exemplaren (ausschließlich aus der Bronze-Abteilung) bereits 20 Minuten vergangen waren. Es gab aber noch zig weitere Abteilungen warteten: Schnitzereien, Malereien, Kalligraphie, Jade, Vasen, Haarnadeln...deswegen entfernten wir uns diskret.
Die Gruppe war recht groß und da der Guide seinen Bezug zu Deutschland (wir hatten scheinbar den Chinesen das Rezept fürs Bierbrauen mitgebracht und die hatten es bis nach Taiwan weitergetragen) schon zum Besten gegeben hatte, fiel unser Schwänzen gar nicht so auf. Organisationsgeschick und Kartenlesefähigkeiten waren jetzt gefragt, um uns effektiv und unfallfrei durch möglichst viele Abteilungen zu schleusen.

So sahen wir herrlich geschnitzte Wohnzimmer, viel Tinte auf Papier, eine Haarnadel mit Fledermaus- auf der man die Fledermaus allerdings nicht erkennen konnte, einen kleinen dicken Menschenmops aus Keramik, Jade in verschiedenen Farben (aber erstaunlich wenig grün), zerbrechliche alte Vasen und Souvenirshops mit zahlreichen Bildern, auf denen dicke Pferde und teils sehr gruselige Katzen zu sehen waren.


Gruselig war auch, dass Hannes und Kathi einen jungen Typen mit Laptop neben sich auf der Sitzgelegenheit beobachteten, der scheinbar etwas programmierte und sich sehr oft umsah. Benni sprach ihn dann an, wobei herauskam, dass dieser gerade Geldprobleme hatte und meinte es wäre ganz leicht hier im Museum auf die Kreditkarten anderer Leute zuzugreifen, wenn diese z.B. im Souvenirshop etwas kauften. Okaaaayyy das ist schon ein wenig abgefahren, dass der das so zugibt. Allerdings konnten wir auch nicht einschätzen inwiefern das wirklich eine Gefahr darstellte, aber zur Sicherheit bezahlten wir bar und schalteten die Handys aus. Es war zwar nicht ganz einfach, aber am Ende hatten wir uns nach dem Souvenirshop wiedergefunden, wo auch ein riesiges Gedrängel herrschte und man aufpassen musste nicht aus Versehen mit einer anderen asiatischen Reisegruppe mitgeschwemmt zu werden. Karen, ihr Freund und die Cousine managten nun die Fahrt zum Kleiderverleih währenddessen sich die Männer in der Haupteinkaufsmeile der heutigen Jugend vergnügen sollten,ein Tempel und etwas zu essen gab es natürlich auch zu bestaunen. Aber vorher noch etwas essen. Zwar war das gute Restaurant voll, aber deswegen konnte man trotzdem dort essen. Nur platziert wurde man zwei Restaurants weiter an einem der Tische inmitten eines scheinbaren Kooperationsrestaurants.
Für uns lief extra irgendein armer Kellner ständig hin und her. Aaaaber nicht zu viel mampfen, wir wollen schließlich noch in die Kleider passen.Man hätte sich auch passend zum Kleid die Haare türkis-hellblau-grün (jaaa alles auf demselben Kopf) färben können... später, vielleicht später.

In dem Laden war einiges los. Scheinbar ließen sich einige Damen für eine Hochzeit einkleiden, frisieren und make-upieren. Wir bekamen eine kurze Einweisung und versuchten dann erst einmal eine passende Größe zu finden. Denn jeder, der schon mal Klamotten made in Asia bestellt hat weiß: Oft ist das sehr frustrierend, denn da können schnell mehrere „X“ vor dem L stehen.
Nach unserer ersten Probe bekamen wir eine hochgezogene Augenbraue und ein Kopfschütteln vom Besitzer des Etablissements. Schnell schob er die Brille auf die Nase und reichte uns mehrere Kleider, wobei er hoffentlich nur nach Größe ging, denn eins der zwei, die ich bekam war pink und das andere sah aus wie ein Sofabezug aus den 70er Jahren.
Während Mama relativ schnell eine passende Form des Kleides gefunden hatte und Kathi nur noch zwischen den Mustern schwankte, wollte ich nicht das empfohlene nehmen, auch wenn es „spack“ saß wie es wohl so Sitte war. Da ich aber auf der Hochzeit auch was essen und nicht die ganze Zeit den Bauch einziehen wollte, entschied ich mich für ein petrolfarbenes, etwas größeres Kleid, was der taiwanesische Lagerfeld mit einem Seufzer als „Too big!“ empfand. Egal, ich nehms trotzdem, da passt dann immerhin noch ein Reisbällchen rein. Wir durften uns für den nicht allzu günstigem Leihpreis auch noch zwei Accessoires heraussuchen. Da die uns die Kämme und Spangen nicht ganz geheuer waren, entschieden wir uns für Handtaschen und Fächer und auch gegen den Dekoschirm. Das Ehepaar Lagerfeld besaß auch einen Hund, der nur auf der Seite lag oder herumgetragen wurde, weshalb Kathi vermutete, dass er querschnitzgelähmt war. Wenn dem so wäre, wäre das sehr traurig, allerdings war es auch eher unangenehm zu sehen wie Frau Lagerfeld die Hochzeitsgesellschaft schminkte und inmitten des Schminkens ab und zu das Hundi knuddelte und mit den Fingern Sekunden später wieder einen Liddstrich zog. Eher so ihhhh. Mit unseren erbeuteten Kleidern (die Herren waren zwischendurch zum Gucken drin gewesen, suchten aber schnell wieder das Weite, weil es drinnen zu voll war) traten wir auf die Straße und entschieden uns dafür bei dem Wetter wieder ins Hotel zurück zu fahren, um dort irgendwo etwas einzunehmen, vielleicht streetfood? Ich glaube Saras Freunde waren nicht allzu böse darüber und organisierten Auto und Uber. Im Hotel erst einmal pausieren und alles verstauen. Nach einer Dusche ging die Wanderung los, wir erfragten in dem einzigen Friseur auf dem Weg, ob der noch Platz hätte. Erst hatte er, dann nur noch für zwei und dann noch für eine. Lustigerweise war das wohl derselbe Friseur, in Saras Mama und Oma am nächsten Morgen gehen sollten. Wir räuberten erst einmal an dem Streetfoodstand, an dem Sara schon sehr bekannt ist. Leider konnte Hannes da aber nichts essen und es war gar nicht so einfach einen Platz zu finden, der noch offen hatte und passend war.


Aber schließlich fielen wir in das nach Las Vegas klingende Cash City ein. Wir schauten ein wenig nach links und ein wenig nach rechts, um von den anderen Gästen abzugucken wie man sich in diesem Restaurant verhielt. Jeder hatte einen kleinen Kochtopf vor sich und man konnte verschiedene Platten wählen, deren „Inhalt“ dann in den Topf getunkt wurde. Benni und ich teilten uns eine und das war eine gute Wahl. Denn jede Platte kam mit einer weiteren Platte Gemüse, v.a. Mit Kohl, viiiiieeeel Kohl, Berge von Kohl!!!
Bei Hannes hatten sie das Kochwasser extra getauscht und auch bei uns tauschten sie dann freundlicherweise auch das Wasser nach und nach. Vielleicht dachten sie wir hätten es alle nicht so mit Fisch. Zusätzlich gab es Soßen (Soja, Knoblauch und verschiedene weitere Zutaten) und Wasser gratis. Auch hätte man eine Eisflatrate (Softeis, das andere Eis gehörte zum Essen dazu) oder Getränke (mit Geschmack-außer Bier) wählen können. Zunächst herrschte gefräßige Stille und jeder versuchte mit glasigem Blick oder auch beschlagener Brille seinem Kohlberg den Gar aus zu machen, hab ich schon erwähnt, dass es viel Kohl gab? Aber irgendwann kamen die ersten Zeichen der Resignation und wir mussten einen Teil des Kohls zurück lassen. Oma wollte doch tatsächlich mit Karte im Cash City zahlen... tztztztzzzz... neenee, das heißt hier ja nicht umsonst so.
Wir rollten mal wieder nach Hause..., vorbei an einer Kakerlake, die sich an den Kohlresten vom Markt labte- lass das lieber, sonst bläst du auch auf und man kann dich an den Fühlern wie ein Luftballon halten...was soll das bloß werden mit der schlanken Linie. Spät abends gab es noch eine kleine Einweisung für die morgige Hochzeit.
Ich weiß gar nicht wie Sara das macht mit dem wenigen Schlaf und ausartenden Terminen.

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