Samstag 28.09.19- Kleidertausch
„Wir renovieren für Sie“ - die Geschichte aus der Kleiderkammer ist in Arbeit.
Heute hieß es mal wieder
früh aufstehen und zwar sehr früh und das für – wie Hannes
früher gesagt hätte- für ein paar Pötte. Aber nein, das waren
schon ganz besondere Pötte, denn das war das National Museum of
Arts. Da Sara und Philipp wieder Termine hatten, hatte Sara
Freunde/Verwandte beauftragt uns den Tag über zu begleiten. Zunächst
versuchten wir es per Bus. Als aber der zweite volle Bus an uns
vorbeifuhr (obwohl der erste Busfahrer meinte er würde Bescheid
geben und einen weiteren ordern), organisierten wir Uber und der
Freund der einen fuhr ebenfalls mit dem eigenen Auto. Im Museum
angekommen (es war perfektes Museumswetter, denn es goss wie aus
Eimern) bekamen wir eine englische Führung (Oma und Opa entschieden
sich ihren eigenen Weg zu gehen) in einer Gruppe-auch, wenn wir dafür
ein wenig warten mussten. Der nette englische Guide machte seine
Sache gut und führte uns zu Beginn der einstündigen Führung zu den
antiken Objekten aus Bronze. Zu jedem der Stücke erzählte er
spannende Details und dies ausführlich, seeeeeehhhr ausführlich...
sodass nach vier Exemplaren (ausschließlich aus der
Bronze-Abteilung) bereits 20 Minuten vergangen waren. Es gab aber
noch zig weitere Abteilungen warteten: Schnitzereien, Malereien,
Kalligraphie, Jade, Vasen, Haarnadeln...deswegen entfernten wir uns
diskret.
Die Gruppe war recht groß und da der Guide seinen Bezug zu
Deutschland (wir hatten scheinbar den Chinesen das Rezept fürs
Bierbrauen mitgebracht und die hatten es bis nach Taiwan
weitergetragen) schon zum Besten gegeben hatte, fiel unser Schwänzen
gar nicht so auf. Organisationsgeschick und Kartenlesefähigkeiten
waren jetzt gefragt, um uns effektiv und unfallfrei durch möglichst
viele Abteilungen zu schleusen.
So sahen wir herrlich geschnitzte
Wohnzimmer, viel Tinte auf Papier, eine Haarnadel mit Fledermaus- auf
der man die Fledermaus allerdings nicht erkennen konnte, einen
kleinen dicken Menschenmops aus Keramik, Jade in verschiedenen Farben
(aber erstaunlich wenig grün), zerbrechliche alte Vasen und
Souvenirshops mit zahlreichen Bildern, auf denen dicke Pferde und
teils sehr gruselige Katzen zu sehen waren.
Für uns
lief extra irgendein armer Kellner ständig hin und her. Aaaaber
nicht zu viel mampfen, wir wollen schließlich noch in die Kleider
passen.Man hätte sich auch passend zum Kleid die Haare
türkis-hellblau-grün (jaaa alles auf demselben Kopf) färben
können... später, vielleicht später.
Nach unserer ersten Probe bekamen wir eine hochgezogene Augenbraue und ein Kopfschütteln vom Besitzer des Etablissements. Schnell schob er die Brille auf die Nase und reichte uns mehrere Kleider, wobei er hoffentlich nur nach Größe ging, denn eins der zwei, die ich bekam war pink und das andere sah aus wie ein Sofabezug aus den 70er Jahren.
Während Mama relativ schnell eine
passende Form des Kleides gefunden hatte und Kathi nur noch zwischen
den Mustern schwankte, wollte ich nicht das empfohlene nehmen, auch
wenn es „spack“ saß wie es wohl so Sitte war. Da ich aber auf
der Hochzeit auch was essen und nicht die ganze Zeit den Bauch
einziehen wollte, entschied ich mich für ein petrolfarbenes, etwas
größeres Kleid, was der taiwanesische Lagerfeld mit einem Seufzer
als „Too big!“ empfand. Egal, ich nehms trotzdem, da passt dann
immerhin noch ein Reisbällchen rein. Wir durften uns für den nicht
allzu günstigem Leihpreis auch noch zwei Accessoires heraussuchen.
Da die uns die Kämme und Spangen nicht ganz geheuer waren,
entschieden wir uns für Handtaschen und Fächer und auch gegen den
Dekoschirm. Das Ehepaar Lagerfeld besaß auch einen Hund, der nur auf
der Seite lag oder herumgetragen wurde, weshalb Kathi vermutete, dass
er querschnitzgelähmt war. Wenn dem so wäre, wäre das sehr
traurig, allerdings war es auch eher unangenehm zu sehen wie Frau
Lagerfeld die Hochzeitsgesellschaft schminkte und inmitten des
Schminkens ab und zu das Hundi knuddelte und mit den Fingern Sekunden
später wieder einen Liddstrich zog. Eher so ihhhh. Mit unseren
erbeuteten Kleidern (die Herren waren zwischendurch zum Gucken drin
gewesen, suchten aber schnell wieder das Weite, weil es drinnen zu
voll war) traten wir auf die Straße und entschieden uns dafür bei
dem Wetter wieder ins Hotel zurück zu fahren, um dort irgendwo etwas
einzunehmen, vielleicht streetfood? Ich glaube Saras Freunde waren
nicht allzu böse darüber und organisierten Auto und Uber. Im Hotel
erst einmal pausieren und alles verstauen. Nach einer Dusche ging die
Wanderung los, wir erfragten in dem einzigen Friseur auf dem Weg, ob
der noch Platz hätte. Erst hatte er, dann nur noch für zwei und
dann noch für eine. Lustigerweise war das wohl derselbe Friseur, in
Saras Mama und Oma am nächsten Morgen gehen sollten. Wir räuberten
erst einmal an dem Streetfoodstand, an dem Sara schon sehr bekannt
ist. Leider konnte Hannes da aber nichts essen und es war gar nicht
so einfach einen Platz zu finden, der noch offen hatte und passend
war.
Aber schließlich fielen wir in das nach Las Vegas klingende
Cash City ein. Wir schauten ein wenig nach links und ein wenig nach
rechts, um von den anderen Gästen abzugucken wie man sich in diesem
Restaurant verhielt. Jeder hatte einen kleinen Kochtopf vor sich und
man konnte verschiedene Platten wählen, deren „Inhalt“ dann in
den Topf getunkt wurde. Benni und ich teilten uns eine und das war
eine gute Wahl. Denn jede Platte kam mit einer weiteren Platte
Gemüse, v.a. Mit Kohl, viiiiieeeel Kohl, Berge von Kohl!!!
Bei
Hannes hatten sie das Kochwasser extra getauscht und auch bei uns
tauschten sie dann freundlicherweise auch das Wasser nach und nach.
Vielleicht dachten sie wir hätten es alle nicht so mit Fisch.
Zusätzlich gab es Soßen (Soja, Knoblauch und verschiedene weitere
Zutaten) und Wasser gratis. Auch hätte man eine Eisflatrate
(Softeis, das andere Eis gehörte zum Essen dazu) oder Getränke (mit
Geschmack-außer Bier) wählen können. Zunächst herrschte gefräßige
Stille und jeder versuchte mit glasigem Blick oder auch beschlagener
Brille seinem Kohlberg den Gar aus zu machen, hab ich schon erwähnt,
dass es viel Kohl gab? Aber irgendwann kamen die ersten Zeichen der
Resignation und wir mussten einen Teil des Kohls zurück lassen. Oma
wollte doch tatsächlich mit Karte im Cash City zahlen...
tztztztzzzz... neenee, das heißt hier ja nicht umsonst so.
Wir
rollten mal wieder nach Hause..., vorbei an einer Kakerlake, die sich
an den Kohlresten vom Markt labte- lass das lieber, sonst bläst du
auch auf und man kann dich an den Fühlern wie ein Luftballon halten...was
soll das bloß werden mit der schlanken Linie. Spät abends gab es
noch eine kleine Einweisung für die morgige Hochzeit.
Ich weiß gar
nicht wie Sara das macht mit dem wenigen Schlaf und ausartenden
Terminen.
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