Donnerstag, 12. September 2019


Mittwoch, 11.09.19- Auch Nachtmärkte können morgens stattfinden.

Anmerkung Nr.2: wer mit dem Prinzip des Blogs auf Blogspot nicht vertraut ist, hier ein kleiner Hinweis. Manchmal stelle ich zwei Blogtage gleichzeitig rein, der aktuellste Eintrag steht immer oben, aber bitte noch ein Stück nach unten gucken, sonst verpasst ihr einen Tag ;). 

Morgens gab es ein emsiges Rascheln und schon waren die zwei Kanadierinnen und eine Koreanerin verschwunden. Obwohl wir überlegt hatten an diesem Tag nach Hue zu fahren, entschieden wir uns dagegen, weil es zu stressig gewesen wäre. Stattdessen hieß es: Ausschlafen und das war auch gut so. Wir tauchten gegen 11 Uhr aus der kühlen Zimmerumgebung in die Wärme des kleinen Restaurants im Hostel ein und fielen am Treppenende über einen kleinen weichen, felligen Haufen mit großen Ohren. Dies war aber weder eine übergewichtige Fledermaus noch eine merkwürdige Hinterlassenschaft, sondern eine kleine französische Bulldogge, die auch zur Verteidigung des Hostels gedacht war.
Da diese aber erst ein paar Wochen alt war, wuffte sie etwas vor sich hin und wir bestellten auf den Schreck Pancakes und einen Mango-Smoothie (meine Wenigkeit) sowie Brote mit Salat, Avocado, Ei und Tomate (Misaki).

Dabei planten wir für den Tag. Zunächst wollten wir noch ein wenig die Hitze abwarten, recherchieren für weitere Fahrten und danach in die Stadtmitte, um ein Zugticket zu kaufen und uns die hübsche rosa Kathedrale anzusehen sowie einen großen Nachtmarkt. Während unserer weiteren Planungsphase im ruhigen Hostelzimmer zogen neue Leute ein, u.a. Leslie aus Deutschland. Wir unterhielten uns sehr gut, sie pries die Tatsache, dass ich die Einzige von zehn bereits gefragten Frauen war, die eine Nagelschere dabei hatte und zack waren wir zu dritt für unsere weitere Tagesplanung.

Nachmittags gings los- wir testeten zusammen die „Grab“-App. Auch, wenn sie das nach einer vietnamesischen Variante von Tinder anhört, war es tatsächlich für Leute gedacht, die auf der Suche nach etwas Sicherem sind und zwar nach einem sicheren Transport. Es ist ein Unternehmen, das Motorroller und Autos in verschiedenen Größen in der Stadt hat. Man selbst gibt das Ziel ein und bekommt sofort die verfügbaren Transportmittel und entsprechende Preise genannt. Dann muss man sich nur noch entscheiden und eins auswählen, wobei dann das entsprechend nächstgelegene angefahren kommt und einen abholt. Somit konnten wir sicher sein, was wir bezahlen müssen und dass wir auch ankommen. Eine super Idee und dadurch, dass wir uns ein Auto teilten, bezahlte jeder ca. 1€ für die Fahrt. Sicherlich hätte es vielleicht auch irgendwo einen billigeren Bus gegeben, aber so war es einfacher und eben sicher. Am Bahnhof angekommen mussten wir stundenlang anstehen, um... nein quatsch. Die Frau am Schalter konnte zwar ein wenig Englisch, war aber nicht großartig amused über die Störung beim Sitzen und Leute beobachten. Misaki wollte schon am nächsten Tag weiter, während Leslie sich kurzerhand entschloss mich auf der Reise nach Hue am Freitag zu begleiten. Wir zahlten jeder 71.000 Dong für „Soft Seat Aircondition“ als „Foreigner“ für knapp 4 Stunden Zugfahrt. Das sind nicht einmal 3€, sicherlich zahlen die Einheimischen weniger, aber ich fand das war schon voll okay, solange wir ankommen. Danach suchte Misaki nach einer Toilette und ich fand eine. Wir waren auch gestern in mehreren teuren Hotels gewesen, weil sie nach sauberen Toiletten suchte und anstatt die lodderlichen Gäste zu vertreiben (ich wartete in der Zeit meist in der Lobby auf sie) oder Geld zu verlangen, bot mir die Rezeptionistin einen Stuhl und eine Flasche Wasser an und hielt uns danach noch die Tür auf. Wir beschlossen dann zur Kathedrale die zwei Kilometer zu laufen und entdeckten auf dem Fußmarsch interessante Leute und Läden.





 

Vorbei ging es an einem Stadion für die Olympischen Spiele der Kindersportler, an vereinzelten Fahrrädern (die zwischen den Motorrollern aussahen als würde Vergangenheit auf Gegenwart treffen) und einem Markt, der aber nicht der Nachtmarkt war. Manche Kinder grüßten uns mit einem „Hello“ und freuten sich, wenn wir antworteten. Da die Fußgängerwege meist mit Bauschutt, Rollern oder Smartphone beglotzenden Männern (früher haben die bestimmt noch Karten gespielt) geschmückt waren, liefen wir im Schlängellauf dem allwissenden Master Googlemaps hinterher.








Vorbei an einer hübsch gekleideten Männerrunde, die wohl eine dieser Tanzvorführungen mit Kostümen vorbereiteten. Dabei wurden sie von einem dicken Mann mit Megafon angeschrien. Sicher rief der ihnen nur zu „Ihr macht das super, weiter so!“, für Europäer klang es allerdings eher so als würde er sie beschimpfen.
Dann ging das Spektakel los und die Betreiber hatten alle Hände voll zu tun, die begeistert haltenden Menschen mit den Motorrollern so zu drapieren, dass zumindest jemand durchkam.
Erstaunlich schnell wurde es hier scheinbar dunkel, denn als wir bei der Kathedrale ankamen, konnten wir ihre Schweinchenfarbe nicht mehr ganz so gut erkennen. Leider war das Tor auch schon verschlossen, aber ein netter junger Rollerfahrer erklärte uns den Weg zum Hintereingang. Auf einem schmalen Pfad schlängelten wir uns an essenden Leuten vorbei (die freundlich Platz machten) und konnten in viele Wohnräume sehen. Endlich vor der Kirche beobachteten wir Touristen aus anderen asiatischen Ländern mit hübschen Kleidern bei Fotoshootings und machten natürlich selbst welche.

















 
Danach rief Misaki strahlend „Dinnertime“ und wir entschieden uns zwischen „edel - teuer“ und „arm, aber sexy“, also für ein kleines Restaurant, in dem nur Einheimische saßen. Die Besitzer waren freundlich, allerdings stritten sich die Kinder des Besitzerpaares meist, wer uns bedienen mussten, denn auch sie beherrschten ihre Muttersprache prächtig, nur leider kein Englisch. Das Essen war lecker und ich bestellte mir einen Melonensaft, der wirklich genial war und schmeckte als hätte sie den Geschmack einer ganzen Melone in einen kleinen Becher gepresst. Der wurde sogar vor unseren Augen aus reinen Melonenstücken gepresst und insgesamt zahlte ich 4€ für Essen, Reis und Getränk.
Ab gings danach erst zur Dragon Bridge (die am Wochenende wohl als Touristenspektakel Feuer spie) zum Night Market, aber leider war der nicht da wo er sein sollte. Nicht verzagen, Misaki will fragen. Sie suchte sich extra eine junge Dame raus, die dann allerdings hektisch nach einer andere rannte und noch drei weitere mitbrachten, die scheinbar „nur mal gucken“ wollten. Auch die mitgebrachte Dame verstand und sprach nur leidlich Englisch, erklärte uns aber, dass der Nightmarket geschlossen wäre und nur morgens um 6 Uhr stattfinden würde. Ahaaa, na das muss einem doch gesagt werden!



Auf dem Weg durften natürlich meine liebsten Freunde auch nicht fehlen, die kleine Schabe labte sich an Krümeln aus einer Plastiktüte.

Wir „gradben“ uns wieder ein Auto, was diesmal sogar günstiger war, weil nicht mehr so viel Verkehr. Beim Hostel gingen wir dann auf unseren eigenen „Nightmarket“ um die Ecke, aber der war wie im Reiseführer bereits angekündigt eine niedliche kleine Ecke mit verschiedenen Ständen, aber wir fanden alle was.
Misaki und ich teilten ein typisches deutsches Essen, was aber aus einer völlig untypischen Kombination bestand: Bratwurst und Pommes mit Käse drauf.

Leslie fand einen Salat und einen Typen, der (dessen Name mir nicht mehr einfällt) sich als... aus Südafrika vorstellte, hier in Vietnam nun als Lehrer unterrichtete und alles was wir sagten (egal was) mit „Awesome“ kommentierte. Irgendwann bekam er sein Essen und verschwand mit einem „Amazing“. Leslie hatte inzwischen Tränen in den Augen, das lag aber weniger an dem jungen Herrn, den sie war süß fand, sondern an dem Papaya Salat, der wohl ziemlich scharf war.
 
Nach einer weiteren Unterhaltung über landestypische Klischeés begaben wir uns ins Hostel, dort erst auf die Dachterrasse (an den Wäsche waschenden Mitarbeitern vorbei) und dann über die zahlreichen im Treppenhause hübsch bemalten Etagen ins Bett.




Dass nachts mal der ein oder andere Vorhang raschelt und es Schritte zur Badtür gibt ist ja nichts Ungewöhnliches. Erstaunlich war nur, dass, obwohl alle sechs Betten bereits mit ihren Besitzerinnen besetzt waren, nachts die Tür aufging, ein Vorhang raschelte und zielstrebige Schritte ins Bad führten. Als diese jedoch zurückkehrten und versuchten in das Bett über mir zu krabbeln, ertönte aus diesem ein empörtes Grunzen und der fremde Krabbler ließ ein „Oh shit“ erklingen, stieß sich den Kopf und murmelte mehrmals „Sorry“. Da hatte sich wohl jemand in der Etage geirrt, aber der kann noch froh sein, bei mir wäre er mit einem blauen Auge davon gekommen ;).

1 Kommentar:

  1. Hey Jule, das klingt ja alles sehr interessant und super lecker 😍 Bis auf das "typisch deutsche Essen😆"... Wann schreibst du das alles eigentlich noch auf nach diesen erlebnisreichen Tagen/ Möchten 🤔? Hier geht alles seinen gewohnten Gang. Heute radeln wir "abbaden " zum Gudelack, sägen Holz für die langen Winterabende und kuscheln abends dann mit dem Klops Kerstin 😂... Vielleicht schaffen wir es noch, ein paar Tomaten zu trocknen und in Olivenöl einzulegen 😉 Die neue Woche besteht zum Glück nur aus vier Arbeitstage, denn am Freitag fahren wir schon nach Zingst.
    Weiterhin viel Freude und neue Freunde 👍 Sei fest gedrückt von Deinem Papa und Deiner Mama😘😘😘

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