Mittwoch, 11.09.19- Auch Nachtmärkte können morgens stattfinden.
Anmerkung Nr.2: wer mit dem Prinzip des Blogs auf Blogspot nicht vertraut ist, hier ein kleiner Hinweis. Manchmal stelle ich zwei Blogtage gleichzeitig rein, der aktuellste Eintrag steht immer oben, aber bitte noch ein Stück nach unten gucken, sonst verpasst ihr einen Tag ;).
Morgens gab es ein emsiges Rascheln und
schon waren die zwei Kanadierinnen und eine Koreanerin verschwunden.
Obwohl wir überlegt hatten an diesem Tag nach Hue zu fahren,
entschieden wir uns dagegen, weil es zu stressig gewesen wäre.
Stattdessen hieß es: Ausschlafen und das war auch gut so. Wir
tauchten gegen 11 Uhr aus der kühlen Zimmerumgebung in die Wärme
des kleinen Restaurants im Hostel ein und fielen am Treppenende über
einen kleinen weichen, felligen Haufen mit großen Ohren. Dies war
aber weder eine übergewichtige Fledermaus noch eine merkwürdige
Hinterlassenschaft, sondern eine kleine französische Bulldogge, die
auch zur Verteidigung des Hostels gedacht war.
Da diese aber erst ein
paar Wochen alt war, wuffte sie etwas vor sich hin und wir bestellten
auf den Schreck Pancakes und einen Mango-Smoothie (meine Wenigkeit)
sowie Brote mit Salat, Avocado, Ei und Tomate (Misaki). Dabei planten wir für den Tag. Zunächst wollten wir noch ein wenig die Hitze abwarten, recherchieren für weitere Fahrten und danach in die Stadtmitte, um ein Zugticket zu kaufen und uns die hübsche rosa Kathedrale anzusehen sowie einen großen Nachtmarkt. Während unserer weiteren Planungsphase im ruhigen Hostelzimmer zogen neue Leute ein, u.a. Leslie aus Deutschland. Wir unterhielten uns sehr gut, sie pries die Tatsache, dass ich die Einzige von zehn bereits gefragten Frauen war, die eine Nagelschere dabei hatte und zack waren wir zu dritt für unsere weitere Tagesplanung.
Vorbei ging es an einem Stadion für
die Olympischen Spiele der Kindersportler, an vereinzelten Fahrrädern
(die zwischen den Motorrollern aussahen als würde Vergangenheit auf
Gegenwart treffen) und einem Markt, der aber nicht der Nachtmarkt
war. Manche Kinder grüßten uns mit einem „Hello“ und freuten
sich, wenn wir antworteten. Da die Fußgängerwege meist mit
Bauschutt, Rollern oder Smartphone beglotzenden Männern (früher
haben die bestimmt noch Karten gespielt) geschmückt waren, liefen
wir im Schlängellauf dem allwissenden Master Googlemaps hinterher.
Vorbei an einer hübsch gekleideten
Männerrunde, die wohl eine dieser Tanzvorführungen mit Kostümen
vorbereiteten. Dabei wurden sie von einem dicken Mann mit Megafon
angeschrien. Sicher rief der ihnen nur zu „Ihr macht das super,
weiter so!“, für Europäer klang es allerdings eher so als würde
er sie beschimpfen.
Dann ging das Spektakel los und die Betreiber
hatten alle Hände voll zu tun, die begeistert haltenden Menschen mit
den Motorrollern so zu drapieren, dass zumindest jemand durchkam.
Erstaunlich schnell wurde es hier scheinbar dunkel, denn als wir bei der Kathedrale ankamen, konnten wir ihre Schweinchenfarbe nicht mehr ganz so gut erkennen. Leider war das Tor auch schon verschlossen, aber ein netter junger Rollerfahrer erklärte uns den Weg zum Hintereingang. Auf einem schmalen Pfad schlängelten wir uns an essenden Leuten vorbei (die freundlich Platz machten) und konnten in viele Wohnräume sehen. Endlich vor der Kirche beobachteten wir Touristen aus anderen asiatischen Ländern mit hübschen Kleidern bei Fotoshootings und machten natürlich selbst welche.
Auf dem Weg durften natürlich meine
liebsten Freunde auch nicht fehlen, die kleine Schabe labte sich an
Krümeln aus einer Plastiktüte.
Wir „gradben“ uns wieder ein Auto, was diesmal sogar günstiger war, weil nicht mehr so viel Verkehr. Beim Hostel gingen wir dann auf unseren eigenen „Nightmarket“ um die Ecke, aber der war wie im Reiseführer bereits angekündigt eine niedliche kleine Ecke mit verschiedenen Ständen, aber wir fanden alle was.
Misaki und ich teilten ein typisches deutsches Essen, was aber aus einer völlig untypischen Kombination bestand: Bratwurst und Pommes mit Käse drauf.
Leslie
fand einen Salat und einen Typen, der (dessen Name mir nicht mehr
einfällt) sich als... aus Südafrika vorstellte, hier in Vietnam nun
als Lehrer unterrichtete und alles was wir sagten (egal was) mit
„Awesome“ kommentierte. Irgendwann bekam er sein Essen und
verschwand mit einem „Amazing“. Leslie hatte inzwischen Tränen
in den Augen, das lag aber weniger an dem jungen Herrn, den sie war
süß fand, sondern an dem Papaya Salat, der wohl ziemlich scharf
war.
Nach einer weiteren Unterhaltung über
landestypische Klischeés begaben wir uns ins Hostel, dort erst auf
die Dachterrasse (an den Wäsche waschenden Mitarbeitern vorbei) und
dann über die zahlreichen im Treppenhause hübsch bemalten Etagen
ins Bett.
Dass nachts mal der ein oder andere Vorhang raschelt und es
Schritte zur Badtür gibt ist ja nichts Ungewöhnliches. Erstaunlich
war nur, dass, obwohl alle sechs Betten bereits mit ihren
Besitzerinnen besetzt waren, nachts die Tür aufging, ein Vorhang raschelte und
zielstrebige Schritte ins Bad führten. Als diese jedoch
zurückkehrten und versuchten in das Bett über mir zu krabbeln,
ertönte aus diesem ein empörtes Grunzen und der fremde Krabbler
ließ ein „Oh shit“ erklingen, stieß sich den Kopf und murmelte
mehrmals „Sorry“. Da hatte sich wohl jemand in der Etage geirrt,
aber der kann noch froh sein, bei mir wäre er mit einem blauen Auge
davon gekommen ;).
Hey Jule, das klingt ja alles sehr interessant und super lecker 😍 Bis auf das "typisch deutsche Essen😆"... Wann schreibst du das alles eigentlich noch auf nach diesen erlebnisreichen Tagen/ Möchten 🤔? Hier geht alles seinen gewohnten Gang. Heute radeln wir "abbaden " zum Gudelack, sägen Holz für die langen Winterabende und kuscheln abends dann mit dem Klops Kerstin 😂... Vielleicht schaffen wir es noch, ein paar Tomaten zu trocknen und in Olivenöl einzulegen 😉 Die neue Woche besteht zum Glück nur aus vier Arbeitstage, denn am Freitag fahren wir schon nach Zingst.
AntwortenLöschenWeiterhin viel Freude und neue Freunde 👍 Sei fest gedrückt von Deinem Papa und Deiner Mama😘😘😘